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Jüdische Turnzeitung · 1908-03-01 · 3 (3.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
3 (3.1908)
Date
1908-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 3 41 siastischer Weise immer wieder auiiorderie, dem deutschen Turnverein, dem er angehörte, beizutreten. „Wie oft soll ich dir noch erklären, wodurch ich eine solche Abneigung gegen das Turnen erhalten habe, dass ich keine Zeit finde, um mich wöchentlich für bestimmte Stunden binden zu lassen. Soll ich dir erzählen, wie ich die Turnstunde in unserer Schule hasste, wie ich ihnen fast mit Bangen entgegensah und froh war, wenn einmal eine ausfiel. Der grösste Teil meiner Mitschüler war körperlich ziemlich tüchtig,, im Qegensatz zur geistigen Verfassung; sie liebten als echte Deutsche Jegliche. Leibesübung, vor allem das Turnen ihres grossen Jahn, und erwarteten die Turnnachmittage mit freudiger Ungeduld. Dazu kam, dass wir gute Turnlehrer hatten, die es in biederer deutscher Art verstanden, die Jungen zu sich heranzuziehen. Aber wie war es mit uns jüdischen Schülern bestellt, die wir vor Lerneifer nicht Zeit zu haben glaubten, uns mit so unnötigen Dingen, wie dem Turnen, zu beschäftigen? Wir Juden waren auf dem Gymnasium der kleinen Provinzstadt nur wenige, hatten ohnehin infolge des eingewurzelten Vorurteils manches einzustecken, und Jeder wird sich erinnern, dass die Turnstunde die beste Gelegenheit war, Bosheiten gegen unliebsame Kameraden, zu welcher Rolle die Juden schon in der Kinderstube verurteilt sind, auszuhecken. Mochte man sich noch so sehr dagegen auflehnen, mochten wir zuweilen einige der grössten Schreier durchprügeln, was half's? Unsere Ohnmacht mussten wir doch immer von neuem spüren. So kam es, dass der Turnunterricht für uns, die wir eigentlich durchaus nicht schwächlicher Natur waren, fast erfolglos blieb. Die Turnlehrer behandelten uns gleichgültig, gaben uns keine Gelegenheit, uns auszubilden; und erst die Andern, die verstanden es wohl, unsere Vorzugsarbeiten abzuschreiben, aber uns in ihren beim Turnen geschlossenen Freundeskreis aufzunehmen, uns kameradschaftlich zu unterweisen, das mochten sie nicht. Sie wussten uns nur zu finden, wenn es ein schwieriges Exerzitium auszuarbeiten, in den Pausen Rat für eine Aufgabe einzuholen gab, aber darüber hinaus ging ihre Freundschaft nicht. — Soll ich Jetzt in eurem Turnverein dasselbe Schauspiel erleben, mich als nicht vollgültig betrachten lassen?* Wohl sind es gereifte Jünglinge und Männer, die bei euch turnen, Leute, an die der Ernst des Lebens schon herangetreten ist, die mir vielleicht in würdiger Art entgegenkommen, aber im Grunde dürfte es eins sein: Geduldet zu werden, ertrage ich nicht! Magst du auch noch so oft mit deinen Einwendungen kommen, du selbst habest den Antisemitismus nie am eigenen Leibe verspürt, ich empfinde die Beleidigung eines einzigen Stammesbruders ebenso, wie wenn ich persönlich angegriffen werde. Nebenher die Zeit! Ich soll mich für bestimmte Abende verpflichten, froh, des Schulzwanges entronnen zu sein. Die Zeit, die mir nach der erschöpfenden Tagesarbeit bleibt, will Ich zur Erholung und geistigen Anregung benutzen." Damals sprach ich so zu meinem Freunde. Ich wusste noch nichts \on der jüdischen Turnbewegung, von der nationalen Wiedergeburt unseres Volkes, trotzdem mir schon als Knabe ein leises Ahnen aufgegangen war, dass einmal etwas Grosses, Gewaltiges für das Judentum kommen müsse. Jetzt weiss ich, was ich unbewusst herbeigesehnt hatte. Ich musste erst National Jude werden, um zu turnen. Da erst sah ich, dass sich ohne ein kräftiges Menschenmaterial nichts erreichen Hesse und das Turnen die rechte Art sei, uns unserer körperlichen Beschaffenheit entsprechend auszubilden. Ich stellte mich in den Dienst unserer Sache, zuerst

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