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Jüdische Turnzeitung · 1908-03-01 · 3 (3.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
3 (3.1908)
Date
1908-03-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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40 No. 3 Uber unseren Verein hat eine berufenere Feder berichtet; Mathias Acher hat seine hier beim Schauturnen empfangenen Eindrücke meisterhaft .geschildert und unserem „Bethar" seine Würdigung zuteil werden lassen; mir sei es gestattet, bloss zu unterstreichen, dass der Verein in seinem zweiten Jahre alle Erwartungen überflügelt hat. Unsere Turnerschaft hat es verstanden, durch ihre Zahl und Tüchtigkeit sich vollste Anerkennung zu erkämpfen. Nirgends wohl sind Turnvereine so nötig, wie hier in Ostgalizien, nirgends ist unser Volk physisch so degeneriert wie hier im grossen Ghetto Qaliziens; nirgends aber sind die Schwierigkeiten so enorm, die sich der Gründung von Turnvereinen in den Weg stellen. Als wir im vorigen Jähre zur Schaffung unseres Vereins schritten, wurden wir schier ausgelacht; ein jüdischer Turnverein? in Galizien? Es schien eine Farce — und Jetzt ist er zur schönen Tat geworden. Im vorigen Jahre übten blos zwei Abteilungen — eine Damen- und eine Herren-Abteilung — vier Stunden wöchentlich; heute haben wir zwei Abteilungen für Kinder zu je 30^-40 Kinder, zwei für Damen zu je 20—30 und zwei für Herren zu je 30—40 Herren, zusammen also ca. 200 übende Mitglieder während zwölf Stunden wöchentlich. Unser Jahresbudget beläuft sich jährlich auf ca. 3000 Kronen. Das noch immer dauernde Hindernis ist der Mangel an einer eigenen Turnhalle, aber schon ist der Qedanke lebendig, für den „Bethar" ein eigenes Heim zu bauen. Der „Bethar" nimmt eine würdige und geachtete Stellung auch bei den Polen und Ruthenen ein; merkwürdigerweise finden die echten Polen das Argument schön, das wir als Qrund angegeben haben, warum wir den Verein gegründet haben. Wir sagten nämlich, dass nicht immer den Feinden gegenüber Logik und Recht bestehen kann, sondern dass auch manche geballte und starke Faust den Juden nützen kann, wenn sie jüdisch ist. Die Polen und Ruthenen billigen diesen Qedanken, nur Mauschel, hierorts Moszko genannt, scheint mit uns unzufrieden. Und mit Recht. Moszko weiss: erstarkt die Hand eines jüdischen Turners — so geht es,vor allem an Moszkos Ourgell Es mag erwähnt werden, dass unser Verein von der städtischen (christlichen) Gemeinde 500 Kronen jährlich, von der Kultusgemeinde 100 Kronen an Subventionbezieht. Das selbstverständliche Verhältnis! So reihen wir uns in die jüdische Turnerschaft — hoffentlich — würdig ein. — Mit Zionsgruss Dr. Israel Waldmänn Vors. des „Bethar". Wir bitten unsere Freunde um Aufgabe der Adressen von Personen, die geeignet waren, an Orten wo noch kein jüdischer Turnverein existiert, als Vertrauensleute für uns tätig zu sein. Wie ich jüdischer Tarner wurde! Von Alfred Burin-Wien. „Turnen! Ich soll turnen gehen!" Das waren so oft die Worte, die ich meinem Freunde mit spöttischer Miene sagte, wenn er mich in enthu-

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