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Jüdische Turnzeitung · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 2 23 An die jüdische Jugend! Rede Dr. Schalits auf dem Festkommers der „Kadi man" am 25. Januar 1908. , Nach ergreifenden Worten der Erinnerung für die verstorbenen Mitglieder: „Meister Herzl, wir grüssen dich. Überall, wo jüdische Herzen schlagen, wo die Sehnsucht weilt nach der verlorenen Freiheit und nach' unserem Lande, überall, wo der Jude schafft, in der Studierstube oder im hellen Kampfgewühl, wird deiner gedacht. Und aus diesem Saale wehe ein Qruss zu deiner Ruhestätte! All unser Hoffen, unsere Kraft und Arbeit senden wir dir, auf dass dein Leib werde ein Samenkorn der Freiheit und deiner Qruft entspriesse das Glück und die Freiheit für unser Volk. Denn Trauern heisst nicht klagen, loben und preisen — nicht singen und sagen, sondern fortwirken und fortschaffen im Sinne des Gewesenen. Wenn von uns nichts bleiben wird, als die Spur von Menschen, die den Weg des Lebens hinaufgegangen sind und hinab — dann lasset, Junge Freunde, uns alte Kadimahner in Euren Traditionen weiter leben . . . Haltet sie hoch, harret aus, lasst Euch nicht beirren . . . Man sagt Euch, Ihr störet den Frieden der Gemeinde. Ich sage Euch aber, die Gemeinde ist nicht ein Friedhof und der Friede nicht die Stille des Grabes, Die Gemeinde ist die Summe von Kraft, Intelligenz, Opferbereitschaft und Schaffensfreudigkeit, und der Friede ist die laut hinschallende leidenschaftliche Begeisterung für ein grosses gemeinsames Ziel. Seid Jung, bleibt Jung! Jung .seinr heisst stark und kräftig sein. Höret nicht auf die Rufe der alten Klageweiber, dass ihr ins Ghetto wollt, dass Ihr die Freiheit fliehet; höret auf den Ruf, der von jenseits der Grenze schallt, höret auf den Todesschrei unserer Brüder, die den letzten Kampf kämpfen in Russland, wo man nicht für ein Landtagswahlrecht, nicht für einen Sitz in der Kultusstube kämpft, sondern wo unsere Brüder für ihr Leben, ihre Kinder und ihre Frauen den letzten Kampf kämpfen ... Bleibet jung! Schlaget lustig weiter! Der Säbel ist keine deutsche Waffe. Die Deutschen sind noch im Kote ihrer Pfahlbauten gesteckt, als die Juden schon das Eisen kannten. Und das Schlagen ist auch nicht unjüdisch. Unjüdisch ist nur die Feigheit, die Verzagtheit, mit der sich das Opfer zum Richtblock schleppen lässt, jüdisch aber Kraft und Mut Der Gedanke der Selbstwehr, den wir hinausgetragen haben, hat überall Wurzel geschlagen. Hat man schon vergessen, was in Russland geschah? Ist keine Erinnerung mehr da, für das grosse Heldentum unserer Brüder in Russland, die nicht allein gegen die schwarzen Banden, sondern die Kosakenhorden ihr Teuerstes verteidigen rriussten? Kennt man in Wien nicht die Jüdische Selbstwehr in Russland? Nein, man kennt sie nicht, man hat von ihr gelegentlich gelesen, wie von einer Matinee in der Statthalterei. Als wir vor zwei Jahren daran gingen, in Wien Unterstützung für die jüdische Selbstwehr zu schaffen, fanden wir in ganz Wien einen einzelnen Juden, der diesen Gedanken aufgegriffen und die Sache unterstützt hat. Wo seid Ihr Juden Wiens, die Ihr uns Träumer scheltet, Rückschrittler, die Ihr prahlt mit Eurer Freiheit und Eurem Fortschritt? Nur für Rennpferde habt Ihr Geld in Hülle und Fülle, für die physische Entwicklung der jüdischen Jagend keinen Groschen. In Wien und in den Provinzstädten besteht eine Anzahl von jüdischen Turnvereinen; notdürftig werden sie erhalten, so dass sie nicht ihren Zweck ganz erfüllen: Juden von Wien, Ihr werdet Euch selbst

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