Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 2 (2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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22 No. 2 neuem leiden würden, wenn wir nicht aus den Fehlern der andern lernten. Nicht nur eines Vergehens an unserer Jugend, sondern auch an unserer Sache würden wir uns schuldig machen, wählten wir eine minderwertige Kraft mit der wohlfeilen Entschuldigung: „Wir haben keine bessere." Lieber keine Schülerabteilung, als eine schlecht geleitete. Beachten wir beide Forderungen, so werden wir sowohl Konflikte mit den Behörden vermeiden, als auch Schule und Haus zu Freunden gewinnen. —n. Kadimah. Der Naine wurde In letzter Zeit tausendfach genannt; man sprach von der Kadimahwoche, das war eine Woche, erfüllt von Jubel und Freude und Ernst, erfüllt von den Festlichkeiten, die aus Anlass des fünfzigsemestrigen Bestandes der jüdisch-akademischen Verbindung „Kadimah" in Wien stattfanden. Weit über den Rahmen des studentischen Korporationswesens hinaus ragt die Bedeutung dieses Jubiläums. Denn an jenem Tage, da die drei jungen, begeisterten Studenten Nathan Birnbaum, M. T. Schnirer und Rüben Bierer daran gingen, die Kadimah zu gründen, schlug für die jüdisch-nationale Bewegung Westeuropas die Qeburtsstunde. So ziemt es sich denn auch für uns jüdische Turner, in treuer Brüderlichkeit die Festesfreude jener jungen Leute zu teilen, die — wenn auch auf anderem Posten denn wir — für die gleichen Ideale streiten und schaffen, die auch uns teuer sind. Die Kadimahner haben als die ersten unter uns körperliche Übungen systematisch betrieben. Es ist allgemein bekannt, dass sie zur Abwehr der rüden und masslosen Angriffe, denen insbesondere die jüdischen Studenten schwächerer Konstitution auf der Wiener Aula ausgesetzt waren, zu dem Säbel griffen; die Kadimahnersäbel waren sehr bald sehr gefürchtet und detart verhasst, dass die deutschen Studenten bekanntlich zu dem bequemen Auskunftsmittel griffen, die Satisfaktionsfähigkeit der Juden pauschaler anzuzweifeln. Die Kadimah und die seit etwa 10 Jahren bestehenden übrigen jüdisch-nationalen Verbindungen stellen seit langem eine stattliche Schar gut geschulter Fechter. Auch ohne andere, intensivere Körperübungen macht sich die Betätigung des Fechtens sehr bald und sehr merklich fühlbar; jedenfalls erweckt sie das Verständnis für die Notwendigkeit körperlicher Übungen. Und es dürfte kaum ein blosser Zufall sein, dass der erste, langjährige und vielverdiente Obmann des I. Wiener jüdischen Turnvereins als Student Kadimahner war, und dass sehr verdienstvolle Mitglieder des Turnvereins der „Ivria" und „Unitas" angehörten. Das Fest des fünfzigsemestrigen Bestandes der Kadimah möge ein erneuter Ansporn sein für unsere jüdische Jugend, mitzuarbeiten an der geistigen und physischen Regeneration unseres Volkes. J. Auch wir rufen den wackeren Kadimahnern ein kräftiges „Hedad" und wünschen, dass noch recht viele Qenerationen aus der Kadimah- Schulung entlassen, als starke und aufrechte Juden ihren Namen zu Ehren bringen und kraftvoll an der Oestaltung unseres Volksgeschickes mitarbeiten mögen! Die Redaktion. * * *