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Jüdische Turnzeitung · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 2 21 wollen. Die Tatsache, dass es den Jungen zum Bewusstsein kommt, sie turnen in einem jüdischen Turnverein, genügt jedoch hierbei und drückt an sich ein volles Bekenntnis.aus. Heiteren Knabengemütern wird das Gefühl des Gegensatzes zu christlichen Mitschülern selten so stark anhaften, dass eine treue Kameradschaft — die zu stören uns fern liegt — an abstrakten Erwägungen scheitert; umso gefährlicher ist es, sie mit Schlagworten zu infizieren. Unberührt von den Vereinskämpfen und fern von unserer grossen Sorge um die Reinheit der Tendenz, sollen die Schüler harmlos und unbefangen nichts anderes als turnen. Die Vereinsleitungen müssen daher darauf bedacht sein, Männer und Zöglinge zeitlich und räumlich zu trennen, so dass gesellige Berührungen ausgeschlossen sind. Ob wir die Schüler bei Gelegenheit neben den allgemeinen Volks- und Turnliedern eins unserer eigenen, wenigen guten Lieder singen lassen, sie kurz auf nationale Erinnerungstage hinweisen oder gar den Reiferen unter ihnen einmal ein geeignetes Turnzeitungsheft, ein Buch in die Hand geben, wird von den lokalen Verhältnissen, der vom Elternhause gegebenen Beanlagung, in erster Reihe aber von der Persönlichkeit des Turnlehrers abhängen. Hiermit kommen wir auf das zweite und wesentlichste Moment in der Frage der Schülerabteilungen, auf die Leitung. Es ist dabei zu unterscheiden: die Ausbildung des Körpers zu Kraft und Gewandtheit und die Förderung der sittlichen Zucht. Die eine, technische Seite ist für den Praktiker leicht gelöst. Über den Turnstoff ist eine Erörterung kaum nötig; ihn liefern die Übungen der Volksschule, aber auch die Anfänge höherer Schwierigkeit, da die aufschäumende Jugend solche verlangt. Der Betrieb am Gerät erfolgt am besten in Riegen, unter Führung der ans der eigenen Schar hervorgegangenen Vorturner, sowohl Männer als Lehrlingen, und mit Berücksichtigung der Alters- und Fertigkeitsstufen. Bei einer gewissen Stetigkeit in der Anordnung der Systeme kann der Erfolg nicht ausbleiben; kaum angefacht, wird der Eifer der Knaben in leiblicher Beziehung mehr leisten, als die sorgsamste Methodik. Kommt es hierbei zum Teil nur auf die sachgemässe Anleitung und Überwachung seitens des Lehrers an, so ist der andere Faktor, die Förderung der sittlichen Zucht, ganz in seine Hand gegeben. Der Leiter einer Jugendabteilung hat uns daher mehr seine persönliche, als seine turnerische Befähigung nachzuweisen, zumal als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann, dass der Mann, der sich um das schwere und dornenvolle Amt eines Jugendlehrers zu bewerben erkühnt, ausgezeichneter Fachkenntnisse in Theorie und Praxis sicher ist. Er weiss, dass die Kritik der Vereinsgenossen nirgends schärfer und unnachsichtiger ist, als bei der Beurteilung der Leistungen des Leiters einer Schülerabteilung. Aus turnerisch gesinnten Kreisen kann der, welcher sich ohne die beste Eignung zum Erzieher berufen fühlt, fürwahr nicht stammen. Bleibt also die persönliche Befähigung für das Amt eines Lehrers. Es ist nie in Abrede gestellt worden, dass es wissenschaftliche Lehrer gibt, die einen schlechten Turnunterricht erteilen, dagegen nicht pädagogisch gebildete Leiter von Jugendabteilungen, die natürliches Geschick entwickeln, durch ihre Turnfertigkeit sich Achtung erringen, und später auch die volle Zuneigung und Hingebung der Schüler sich erwerben. Zu keiner Zeit hat es aber auch an solchen gemangelt, welche sich zum Turnlehramt drängten, weil sie sich als Meister in mancherlei Leibesübungen fühlten, denen aber die übrigen Eigenschaften, vor allem ein vorbildliches Benehmen und ein» wandsfreie Umgangsformen fehlten, bei denen dann die Mängel in der Bildung um so greller und unleidlicher — die Spottsucht der Jugend herausfordernd — hervortraten. Und gerade sie haben dem Turnen in den Augen der Eltern und Schulmänner grossen Schaden zugefügt, an dem wir von

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