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Jüdische Turnzeitung · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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20 No. 2 Sache und im besonderen um die Leitung und Redaktion unserer Zeitschrift eingehend zu würdigen. Wir wollen es uns aber nicht versagen, ihn auch an dieser Stelle zu seinem Ehrentage aufs herzlichste zu beglückwünschen. Die Redaktion. Schülerabteilungen. Auf dem Gebiete des Vereinsturnens sind die Zöglingsabteilungen eine ziemlich junge Erscheinung. Während zu Jahns und noch zu Massmanns Zeiten Jung und Alt, Knaben, Jünglinge und Männer gemeinsam auf dem Turnplatz sich tummelten, machten es pädagogische und soziale Rücksichten später notwendig, die schulpflichtige Jugend und die der Schule entwachsenen Jünglinge von den Männern zu trennen. Für die in der zünftigen Lehrzeit befindlichen jungen Leute war die Bildung von Lehrlingsabteilungen um so mehr ein Bedürfnis, als nach den Vereinsgesetzen der meisten Länder erst mit dem 17. Lebensjahre die Mitgliedschaft zu einem Verein zulässig ist. Die Sorge für die schulpflichtige Jugend hatte der Staat übernommen. Man erkannte aber bald, dass die Schulen besonders der Grossstädte ihre Pflichten nur ungenügend erfüllen konnten und schritt zur Angliederung von Schülerabteilungen an die Turnvereine. Die Vereine haben ein zwiefaches Interesse daran, Schülerabteilungen zu gründen und zu unterhalten: ein ideelles, die heranwachsende Jugend im nationalen Sinne volkstümlich körperlich zu erziehen, ohne Hinblick auf die Sonderzwecke des Militärdienstes oder der Berufstätigkeit, und ein materielles, einen sachgemäss geschulten Nachwuchs für Ihre Männerabteilungen heranzubilden. Nun hat die Schule von jeher mit einigem Rechte kollidierende Interessen vorgeschützt; und zwar hauptsächlich aus zwei Gründen, an deren Beseitigung wohl die grossen Turnverbände erfolgreich gearbeitet haben, die aber für uns noch ganz erheblich mitsprechen. 1. weil Schüler dem Vereinsleben grundsätzlich ferngehalten werden müssten, da Sitten und Gewohnheiten der Vereine von denen der Schule gänzlich verschieden und der Erziehung nicht förderlich seien, 2. weil es den Vereinen an pädagogisch geschulten und planmässig ausgebildeten Kräften fehle; der grösste Ernst und Eifer eines begeisterten Jugendlehrers könne nicht den Mangel an gründlicher Allgemein- und Fachbildung, an richtigem Takt ersetzen. Die prinzipielle Frage steht für uns bei dem fühlbaren Mangel an Ersatzmannschaft über der Diskussion. Wenn aber unsere Generalversammlungen jetzt stürmischer denn je die Gründungen von Schülerabteilungen fordern, müssen wir zu obigen Einwänden, die uns in weit höherem Maasse als die national-deutschen Vereine treffen, Stellung nehmen und uns darüber klar werden, ob wir ihnen begegnen wollen und können. Solange körperliche und geistige Entwicklung noch nicht zur Mannbarkeit gediehen sind, erweist sich das Turnen als eine Ausbildung Unmündiger, Unselbständiger unter einem Erzieher zu rein erziehlichen Zwecken, während Erwachsene unter selbstgewählten Leitern und unter dem Willen der Allgemeinheit zu gesundheitlichen, geselligen und nationalen Zwecken turnen, die sich zur Tendenz verdichten. Diese scharfe Trennung muss in unseren Vereinen unter allen Umständen aufrecht erhalten bleiben. Wir machen keil Hehl daraus, dass wir die unserer Obhut anvertrauten Knaben nicht nur zu guten Turnern, sondern auch zu guten Juden erziehen

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