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Jüdische Turnzeitung · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 1 5 edler Körperkultur die Turner erfüllt, ' oder ob gedankenlos eine wohl examinierte Übung nach der andern gewissermassen aus dem Körper herausfallt. Nicht für die Schule, sondern das. Leben lernen wir, nicht für den Verein, sondern für die Zukunft unseres Volkes. Obung ist die Quelle der Tat, sie ist etwas eigenes und persönliches, ohne das es keine Lebensfreude gäbe. Wir Juden haben alle Ursache, den Grossfabrikationsbetrieb Drill aus Häusern, in denen wir gebieten, fern zu halten, nur Übung — macht den Meister. Rodeln. Meine Gnädige! 0, Wechsel der Zeiten! Es hat sich also bei Ihnen doch die Überzeugung? Bahn gebrochen, dass ein tüchtiges Strecken und Dehnen des Körpers Ihrem — sit venia verbo — verhätschelten Alexander am ehesten frische Kraft und frohen Mut verleihen werde, und Sie Hessen ihn in den jüdischen Turnverein Ihres Ortes einschreiben. Ja, Sie gingen mit der Ihnen eigenen Konsequenz noch um einen grossen Schritt weiter. Die paar Turnstunden in der Woche genügen Ihnen Kar nicht mehr, seit das Turnen im Freien durch den Eintritt der kälteren Jahreszeit eine Unterbrechung erfuhr. Sie schickten Alexander also auf. den Eislaufplatz. Das heisst, er geht selbst, seit ihn das Bewusstsein seiner Turnerwurde durchdringt. — Doch seinem hochfliegenden Turnergeiste genügt die Eisbahn nimmer, die ihn in enge Grenzen zwingt. Mazedonien ist für Alexander zu klein. Er will hinaus in die herrliche Winterlandschaft, in die reine, frische Luft. Nun fordern Sie meinen Rat! — Sie sollen ihn haben! Meine Gnädige! Ich fühle den Weltschmerz Ihres Sohnes. Ihr Alexander muss rodeln! Ich lade ihn hiermit förmlich ein, den Winter bei uns in Qraz inmitten unserer Rodelriege zu verbringen. „Ja, aber", höre ich Sie fragen, „was heisst das: Rodeln?" Rodel heisst Schlitten, Handschlitten; und wenn Sie sich darauf setzen, dann haben Sie das verbum daraus gebildet: dann rodeln Sie. — „Also wie es die Buben bei uns auf den Hängen der Allee machen?" Eben dasselbe, meine Gnädige. Der tiefe Sinn des „Zurück zur Natur" wurde vielleicht auf keinem Qebiete besser erfasst, als auf dem dieses gesundheitsfördernden Sportes. Einfachheit ist die Losung. Hier in Steiermark rodelt alles, was grade Olieder hat: iung und alt, hoch und niedrig. Mann und Frau. Die prachtvollen, schneebedeckten Qelände in der Umgebung jeder Stadt fordern ia geradezu zu diesem Sport heraus, der die Brust weitet und Körper und Willenskraft stärkt. Und dazu die glitzernde Winterlandschaft! So ziehen auch wir von der Rodelriege hinaus — sonntäglich, mit unserem treuen Turnwart an der Spitze. Warme, wollene Wäsche, womöglich ein „Schwitzer", Sportanzug mit Gamaschen, schneedichte „Qenagelte" als Schuhwerk und die von uns untrennbare Rodel auf dem Rücken. Und der Damenriege Strammste stehen mit in Reih und Glied. Tüchtige Kundschafter haben schon ein paar Tage früher eine geeignete Bahn „entdeckt"; darauf wird nun losgesteuert — da Hegt der Berg vor uns. „Aufi!"

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