Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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4 No. 1 Unteiricbtsgegenstand wurde? Waren es nur Hallenstaub, Kunstturnen und die Verpflichtungen ganzer Abende? Nein, der Mangel an individueller Berücksichtigung führte ganze Kreise dem englischen Sport in die Arme. Was der Pädagogik der Schule nötig war, wurde den Vereinen zum Hindernis. Wir können vom Sport wirklich viel lernen. Auch unser Turnen trägt dem wachsenden Bedürfnis nach eigener und freier Betätigung unbedingt Rechnung. Das aber nur dann, wenn Dril) und verständige Übung scharf auseinander gehalten werden. Gestehen wir den Turnwarten unseres Verbandes auch ohne weiteres das Recht zu, ihre Vereine für das hoffentlich ständige Bundesschauturnen in lobenswerten Ehrgeiz tüchtig vorzubereiten und nach den örtlichen Verhältnissen (die Turner des Berliner „Barkochba" lassen sich nur eine vierwöchentliche Schädigung des regulären Betriebes gefallen) längere Zeit in Übungsklausur zu erhalten - im Allgemeinen jedoch so wenig Einstudierungen, wie möglich! Es ist nicht zu verkennen, dass dem Drill jene bewährten Eigenschaften innewohnen, ohne die ein Soldat nicht gedacht werden kann und die gerade manchem jungen Juden bitter fehlen. Aber das Wesen unserer Vereinsgemeinschaft beruht ja auf weit grösseren Momenten und kann in seinem demokratischen Aufbau nicht durch Exerzier-Reglements erdrückt werden. Seitdem das volkstümliche Wetturnen den Kern der Turnfeste, dieser Prüfsteine für die Entwickelung grösserer Verbände, bildet, hat die alte Spiess'sche Schule, auf die fast alle Berufs-Turnlehrer eingeschworen sind, stark gelitten. Und das geschah nur unter dem Einfluss des Sports. Die moderne Richtung der Leibesübungen ist so ganz und garnicht mit der hergebrachten Art des Schulturnens vereinbar. Als treibende Kraft gilt die Konkurrenz, nicht die Parade. Für die speziellen Zwecke der „Jüdischen Turnerschaft" ist das Austragen glänzender Wettkämpfe nun zwar vor der Hand kaum möglich, wir müssen uns an stiller Arbeit, an mühseliger Ausbildung unserer mitunter recht alten Lehrlinge genug sein lassen. Wir müssen auf den Nachwuchs warten, auf die Verjüngung von unten herauf. Hüten wir uns aber vor der Verknöcherung, solange die natürliche Blutauffrischung fehlt. Es nützt nichts, eine schwierige Leistung von jedem mit gleicher Akkuratesse ausführen zu lassen. Immer aber wird es von der Leitung abhängen, ob der Geist