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Jüdische Turnzeitung · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No.! 3 hügeliger Schneelandschaft, wenigstens einige Punkte im Auge zu behalten suchen, um nicht von der eingeschlagenen Richtung abzukommen. Mehr als all diese graue Theorie, deren Kenntnis zum Teil der militärischen Instruktion entstammt, wird dem einzelnen sein Katzeninstinkt helfen. Manch einer hat sich, mit dem besten Kartenmaterial ausgerüstet, auf der Landstrasse verlaufen, während ein anderer sich im Schneegebirge ohne Karte, Kompass und Führer zurechtfand. Drill oder Übung in unsern Turnvereinen? Von Turnlehrer Erich Burin. Wenn Turnen Freude machen und das Gemüt anregen soll, so muss es nicht nur kunstgerecht betrieben, sondern auch frischfröhlich nach echter Turnerart geleitet werden. Die persönliche Note kann in schwache Leistungen Stimmung, Eifer und Form bringen; in der Person des Turnwarts beruht zum erheblichen Teile der Erfolg. Nicht, wer in allen Sätteln gerecht, mit Stoff und Theorie kokettierend, die Turner auf die Versetzung in eine höhere Riege im Schweisse ihres Angesichts arbeiten lässt, ist der bessere Lehrer, vielmehr der, welcher mit möglichst wenig Abstandsgefühl Primus ex multis auf den Boden kommt, ans Gerät tritt und seinen Kameraden ein treuer Helfer und Weiser wird. Die Aneignung gewisser turnerischer Fertigkeiten ist nicht ausreichend für die Bewertung des Turners. Geschieht sie, wie in den meisten Fällen, des äusseren Eindrucks wegen, so kann sie sogar wertlos bleiben und im Massenbetriebe, gelegentlich gemeinsamer Vorführungen, Schauturnen, schädlich wirken. Sicherlich muss emsig memoriert werden, wenn ein Obungsbild im Gedächtnis haften soll, aber die militärturnerische Forderung, dass bestimmte, vorgeschriebene Aufgaben von Allen erfüllt werden müssen, hat immer etwas gewaltsames an sich. Tritt nun der Faktor hinzu, dass ein Vorteil für den einzelnen garnicht beabsichtigt ist, es vielmehr lediglich auf das unbedingte „Klappen", die Aufmachung des gymnastischen Gemäldes ankommt, so haben wir den Drill in Rein-Kultur. Woher kam es, dass in den letzten beiden Jahrzehnten ein grosser Teil unserer denkenden Jugend dem ehrwürdigen deutschen Turnen den Rücken kehrte, zu derselben Zeit, wo es obligatorischer

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