Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1907-11-01 · 11/12 (11.1907) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
11/12 (11.1907)
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4921092-5965113-5965269--2015-4924847
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 11/12 (k-gner. Cr hat eine lange Liste von Korperstellen, wo ein Schlag oder ein Druck unerträglichen Schmerz oder förmliche momentane Lähmung auslöst. Cr kennt sogar sechs bestimmte Schläge, die, mit unbewaffneter Hand ausgeführt, sogleich tödlich sein können. Weiter lernt man als Schüler dieser Kunst verblüffend wirkungsvolle Hiebe mit der scharfen Handkante austeilen, die durch tägliche Uebung, unzählige Male wiederholtes Aufschlagen auf Holz und andere solide Widerstände äusserst hart und unempfindlich «macht und so zu einer gefährlichen Waffe ausgebildet wird. Am eigenen Körper sucht der Japaner die empfindlichen Stellen abzuhärten und gegen Schmerz abzustumpfen, damit er im Kampfe nicht allzu ängstlich auf Deckung bedacht sein muss. Ein wichtiger Angriffspunkt für Schlag und Druck findet sich nahe der Schulter, da von dort aus heftiger Schmerz und eine Art Lähmung des ganzen Armes erzeugt werden kann. Kantensdiläge aufs Schlüsselbein, auf die Seite des Ellenbogens und aui die Speichcnseite des Vorderarmes nahe der Hand sind ebenfalls wirkungsvoll. Stösse in die Magengrube und überhaupt in die Weichteile des Leibes bringen sofortige Atemnot und zur totalen Kampfunfähigkeit führende schwere Shockw irkungen hervor, w eswegen sie von unseren Ringern im ehrlichen Kampfe verpönt sind. Im Djiu-Djitsu sind sie bei Abwehr von plötzlichen und unvermuteten Ueherrällen sehr beliebt und werden mit den tief eindringenden Fingerspitzen der gestreckten Hand, aber auch, wenn die Hände sonst nützliche Verwendung finden, mit Knie und Ellenbogen geführt. Erscheint eine Hand zu schwach für die beabsichtigte Wirkung, so werden beide mit den Handflächen aneinander gelegt und zu Stoss und Schlag verwandt. Sodann w erden bei den Tricks die Gesetze der Statik auf raffinierteste benutzt. Das Ueberdehnen von Gelenken, besonders das Ueberstrecken des Annes im Ellbogengelenk wird im Djiu-Djitsu ebenfalls gelehrt, und zwar mit schlauer Berücksichtigung von Hebelwirkungen. So wird beispielsweise des Gegners Faust gefasst, sein Arm gehoben, gestreckt und so gedreht, dass der Handrücken nach unten gewendet ist. Der gewandte Düu-Djitsu-Kämpfer soll nun blitzschnell seine Schulter unter den Ellenbogen des Gegners schieben können und kann derart an der Faust des Gegners einen Zug ausüben, der sehr wohl den Arm zu brechen vermöchte. „Des Teufels Handschlag" ist ein Veriahren, das auch aui Ueberstrcckung des Armes im Ellbogengelenk beruht. Die Theorie und Praxis des „Hackenschlags" ist ebenfalls sorgfältig bis in alle Details ausgebaut, ferner eine grosse Anzahl kombinierter Angriffsimd Verteidigungsmethoden, eigentlicher „Gänge". Ferner wird geübt die Beseitigung zudringlicher Personen, die beste Art, den am Boden liegenden Gegner hilflos zu machen, die geschickteste Weise, hinzufallen, ohne sich wehe zu tun, rasch aufzuschnellen, durch Sprung, Ducken, Kriechen auszuweichen oder anzugreifen, die Entwaffnung eines mit Stock, Keule oder Revolver angreifenden Gegners. Ein offener Rock mit Aermeln wird dem Träger gewandt über die Schulter hinunter bis nahe an die Ellbogen gestülpt, was sofort den Gebrauch der Arme unmöglich macht. Haucock nimmt des öfteren Gelegenheit, auf die Friedfertigkeit, Gutmütigkeit und zarte Rücksichtnahme der Djiu-Djitsu-Fechter hinzuweisen, die in ihren Massnahmen nie weiter gehtn, als es eben der Fall verlangt, und den höchsten Triumph darin erblicken, den Gegner wehrlos zu machen, ohne ihm zu schaden, was denen zur Beruhigung geschrieben ist, die das Perfide empört, das nun einmal für unsere Anschauungen den Djiu-Djitsu-Methoden auhaitet. Ein bedrohter Japaner lächelt erst versöhnlich; wird der Streit unvermeidlich, so scheut er vor keinem Kniff, keiner Finte, keiner Fechtart zurück, sei sie ..kommentmässig" oder nicht; ergibt sich der Gegner, bevor

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.