Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 11/12 (11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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197 Auch für die absolvierten Vorturner sind von Zeit zu Zeit Übungsstunden anzuberaumen, in denen sie sich fortbilden können. Erst wenn ein jüdischer Turnverein ein derart durchgebildetes Vorturnermaterial in genügender Stärke aufzuweisen vermag, erst dann kann er seinem hohen Ziele, an der Regeneration unserer Rasse tätig mitzuwirken, mit Erfolg gerecht werden, denn wir dürfen nicht vergessen, dass von der Tüchtigkeit der Vorturner nicht allein die Qualität der übrigen Turner, sondern auch ihr Interesse und ihre Begeisterung für unsere Sache abhängt. Djiu-Djitsu. Japanische Körperabhärtungs- und Stählungs-Methode: (Schluis.) Man sagt mit Recht, dass die Japaner das reinlichste Volk der Erde sind. Der Japaner nimmt nicht nur aus Reinlichkeitsgründen, sondern zum Vergnügen wenigstens zweimal täglich heisse Bäder in einer primitiven Tonne im Hause oder in öffentlichen Badeanstalten, von denen Tokio allein ca. 1000 besitzt, und die wegen ihres billigen Preises (2 Pf. pro Bad) auch den Aermsten zugänglich sind. Ferner ist Japan das Land „par excellence" der klimatischen Badeorte, die, an den schönsten Punkten hoch im Gebirge gelegen, im Sommer Hunderte von Besuchern beherbergen. Reichlicher Gemiss von Wasser gilt als vorzügliches hygienisches Mittel zur Durchspiilung des Körpers. Die Japaner bringen es auf einen Konsum von vier bis iüni Litern pro Tag. Während diese rationelle Lebensweise die unerlässliche Grundlage körperlicher Leistungsfähigkeit bildet und gesunden Magen, gesundes Herz und gesunde Lungen schafft, wird die Entwicklung grösstmöglicher Muskelkraft, Gewandtheit und Behendigkeit durch zweckentsprechende, für uns Abendländer zum Teil ganz neue Uebungen zu erreichen gesucht, mit denen sich die zweite Hälfte des Haucockschen Buches beschäftigt. Die zweite Stufe besteht sodann in der Anordnung und Ausnützung der so gewonnenen Faktoren zu einer athletischen Kunst, deren Entwicklung bis zu der heutigen Höhe die Arbeit vieler Generationen darstellt. Im Djiu-Djitsu liegt ebensoviel Kopf- und Nerven-, wie Muskelarbeit. Alle erdenklichen sinnreichen Kunstgriffe und Tricks werden gelehrt uih' setzen den, der sie sich mit japanischer Beharrlichkeit zu eigen gemacht hat, in den Stand, jedem im Djiu-Djitsu unerfahrenen Gegner zu widerstehen und ihn zu überwältigen. Die Kampfesmethoden sollen Kraft und Gewandtheit fördern, hauptsächlich aber dem Zwecke persönlicher Wehrhaftigkeit. der Kunst waffenloser Offensive und Defensive dienen, sind also nicht Selbstzweck wie ein Riesenschwung oder die kunstvoll verschlungene Figur, die ein geschickter Schlittschuhläufer aufs Eis zeichnet. Dabei spielt die Gelenkigkeit, Geistesgegenwart und Besonnenheit eine viel grössere Rolle als blosse Muskel- und Körperkraft, was schon in der ganzen physischen und geistigen Eigenart des Japaners begründet ist. Das System erzieht zu genauer Kenntnis der empfindlichsten, schwächlichsten Stellen des menschlichen Körpers und zu blitzschnellem Schlagen und Stossen, zu eisernen Griffen, wobei mit schärfster Präzision gerade diese günstigsten Angriffspunkte getroffen oder gepackt und gequetscht werden müssen. Für den Japaner gibt es mehr als eine Achillesferse bei einem