Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 11/12 (11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11/12 2. Stellungen zum Gerät: Querstand hinter, vor dem Barren, in der Holmenaasse, zur Seite des Barrens, Seitstand etc.; 3. Situationen auf dem Gerät: H;'inge, Stütze, gemischte Hänge, gemischte Stütze, Sitze etc.; 4. Wie gelangt man in diese Situationen?: Nun nimmt man die einfaciiste Situation und die einfachste Übung, durch die man in dieselbe gelangt, zerlegt sie, wenn es noch nötig ist, und baut dann auf ihr die leichte Übungsgruppe auf, geht dann zur nächstschwereren über etc. Z. B.: Querhangstand rücklings vorwärts in der Holmengasse im Ellgriff an den Holmen. Man erreicht denselben am einfachsten durch Vorwärtsschreiten aus dem Querstand in der Holmengasse mit Ellgriff bis zur völligen Streckung des Körpers (auf andere Arten durch Vorwärtsspringen, durch Senken des Körpers aus dem Abhänge, durch Einspringen mit vorgehobenen Beinen etc., was dann Übungsstoff für spätere Stunden wäre); diese Übung lässt sich nicht mehr zerlegen, d. h. sie kann ohne weiteres vom Anfänger ausgeführt werden. (Dagegen wäre z. B. die Rolle vorwärts aus dem Querstreckstütze vorher zu zerlegen und geteilt einzulernen.) Hieran knüpfen sich nun Kombinationen mit bereits bekannten Übungen, resp. Erweiterungen, in diesem Falle Beinspreizen, Knie- und Fersenheben etc., Armbeugen etc. — Bei jeder Übung wird erklärt, wo und wie die Hilfen zu geben sind, auch werden die Teilnehmer selbst abwechselnd zum Hilfegeben herangezogen. Auf ähnliche Art erfolgt der Unterricht in den volkstümlichen Übungen, bei dem es, da die Bewegungen und Übungsgruppen meist selbstverständlich und nicht gar so differenziert und zahlreich sind, genügt, wenn er einmal in vierzehn Tagen vorgenommen wird. Der letzte Unterrichtgegenstand, die Anatomie, kann entweder (bei Vorgebildeten) derart gepflegt werden, dass bei den einzelnen Übungen jene Körperpartien, die zur Ausführung derselben in Anspruch genommen werden, genannt und erläutert werden; oder (bei nicht Vorgebildeten) in separaten Unterrichtsstunden an der Hand von Abbildungen, wobei dann auf die Lehre von den Gelenken und Muskeln das Hauptgewicht gelegt werden soll, während alles übrige nur so weit gestreift zu werden braucht, als es zum Verständnisse der Hauptsache erforderlich erscheint. — Ein Unterricht in erster Hilfe ist sehr wünschenswert, müsste jedoch natürlich von einem Berufenen (am besten — wie auch Anatomie — von einem praktischen Arzte) in besonderen Stunden erteilt werden. Was den zu absolvierenden turnerischen Übungsstoff anlangt, so wird auch der tüchtigste Turnwart gut tun, an Hand eines Fachbuches vorzugehen, um eventuelle, aus unbewusster Vorliebe sich ergebende Einseitigkeiten zu vermeiden. Die Dauer des Kurses dürfte in Anbetracht des gewöhnlich leider physisch nicht erstklassigen Menschenmaterials, mit dem wir es in unseren Vereinen einstweilen zu tun haben, mit 2 Jahren nicht zu hoch bemessen sein, nach Verlauf deren sich die Teilnehmer einer Vorturnerprüfung zu unterziehen haben. Die Prüfungsgegenstände sind den Lehrgegenständen kongruent: 1. Leitung von Frei- oder Ordnungsübungen in freier Entwickelung eines vorher gegebenen Themas, 2. Vorführung einer Riege an zwei Oetäten, Entwickelung je einer Übung der Unter- und Mittelstufe, 3. Vorführung je einer selbständig kombinierten Kürübung an zwei Geräten, 4. Anatomie. Klassifiziert wird vor. einer sachkundigen Kommission (evtl. Vorturnerschaft) nach Punkten und zwar werden berücksichtigt: Behandlung des Stoffes, Hilfegebung, Haltung, Turnsprache und Auftreten gegenüber der Riege.