Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 11/12 (11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11/12 195 Übungen in höchster Vollendung selbst zeigen können, andererseits soll ei sie turnerisch vorwärts bringen und vervollkommnen, er soll ihr Turnunterricht erteilen. Dazu muss er vor allem die Turnmittel kennen, das sind die Turngeräte und der menschliche Körper. Ferner muss er den Gebrauch dieser Mittel verstehen, d. h. er muss die Qeräte zu benutzen, den Körper und die einzelnen Muskelpartien zu beschäftigen wissen, er muss übungsstoif haben. Er muss weiter diese Übungen einesteils benennen (Turnsprache), andernteils — und dies ist wohl unter dem Wichtigen das Wichtigste — erklären, zerlegen und aufbauen können. Schliesslich muss er ss verstehen, den Turner in der Ausführung der Übungen zu unterstützen, ihm Vertrauen in seine Festigkeit einzuflössen und ihn vor Oefahren zu schützen, er muss Hilfe geben können. — Diese Forderungen sollen nun durch das im Folgenden in rohen Umrissen angedeutete Programm eines Vorturnerbildungskurses erfüllt werden: Der Kurs beginnt mit der Auswahl der Teilnehmer. Hier hat der Kursleiter besonderes Augenmerk auf Intelligenz, Kraft und körperliche Qewandheit zu lichten. Im allgemeinen sind nur geübte Turner in den Kurs aufzunehmen, um den Fortgang nicht zu verlangsamen, doch müssen es nicht notwendig gerade die besten Turner sein, da die praktische Fertigkeit bei der Bewertung des Vorturners immerhin ohne wesentlichen Nachteil hinter der theoretischen Ausbildung ein wenig zurückstehen darf. Als allgemeine Prinzipien für den Unterricht haben zu gelten: 1. Theoretische Vorträge seitens des Leiters sind möglichst zu vermeiden, wenn notwendig, aber knapp und klar verständlich zu halten und sofort anschliessend daran in die Praxis umzusetzen; die Teilnehmer sind anzuhalten, selbständig zu denken und aktiv beim Unterrichte mitzuarbeiten, es sind ihnen von Zeit zu Zeit Übungsaufgaben zu stellen, die sie ohne Hilfe zu lösen haben. 2. Das Hauptaugenmerk des Leiters beim praktischen Unterricht ist auf die Körperhaltung zu legen. Jede, auch die einfachste Übung ist stramm durchzuführen, ebenso An- und Abgang vom Qerät. Unterrichtsgegenstände sind: 1. Frei- und Ordnungsübungen. 2. Geräteturnen, 3. Volkstümliche Übungen, 4. Anatomie des menschlichen Körpers, eventuell erste Hilfe bei Unfällen. Die Unterrichtsstunden, die ein- bis zweimal wöchentlich stattfinden sollen, sind folgendermassen einzuteilen: Die Stunden beginnen abwechselnd mit Frei- und Ordnungsübungen, die iedoch, wie überhaupt alle praktischen Übungen, nicht vollkommen durchgeführt zu werden brauchen, sondern hauptsächlich den Gegenstand von Ausführungen über die Möglichkeit von Kombinationen und Variationen zu bilden haben. Dies ist den Teilnehmern zur selbständigen Besprechung zu Uberlassen und der Kursleiter hat nur die Fragen zu* stellen und Fehler oder Lückenhaftes zu verbessern. Hierauf wird an zwei Geräten ie eine Übungsgruppe durchgeführt. (Es ist selbstverständlich, dass diese Geräte nach einer festen Geräteordnung Jede Stunde abwechseln.) Der Unterricht am Gerät beginnt mit der Benennung desselben und der einzelnen relevanten Teile, sowie seiner Beschreibung. Hierauf werden die Stellungen erörtert, benannt und gezeigt, in denen sich der Turner bei dem Geräte befinden kann, sodann die Situationen, die er auf oder an dem Geräte einnehmen kann. Schliesslich wird nun an die Beantwortung der Frage geschritten: „Wie, d. h. durch welche Tätigkeit gelangt man in diese Situationen?" Damit ist das eigentliche Thema, die Übungen und ihr Aufbau angeschnitten. Ein Beispiel wird die Sache erläutern: Oerät: der Barren brusthoch. 1. Beschreibung und Benennung: Barren, Holme, Holmengasse etc.;