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Jüdische Turnzeitung · 1907-11-01 · 11/12 (11.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
11/12 (11.1907)
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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192 Na. 11/12 Wer sagt das? Alle die Turner dort, — wissen sie von ihrer Kraft? Von ihrer ganzen Kraft? Von den Möglichkeiten, die sie mit ihren Muskeln und ihren muskelgefestigten Charakteren zu Wirklichkeiten bauen können? Gewiss nicht! Selbst wir Zuschauer wissen noch nichts davon. Wir hoffen nur, wir ahnen nur, dass dort tief hinter dem stummen, „geistlosen" Heben der Hände, dem Gleichschritt der Füsse, dem Hüpfen und Springen, eine Kraft wohnt. Wir rufen nur, wie Jehuda Makkabi rief: Komm, du deiner unbewusste Kraft, verdichte dich zu tätigem Leben. Es ist, wie bei den Lastenträgern, der einzige Unterschied: Bei den Turnern muss man die Kraft schon aus grösseren Fernen holen. Das haben aber nur die Stadt und der Beruf gewirkt. Es ist bei anderen Völkern auch so. Wir assimilieren uns nur den Notwendigkeiten und Erfahrungen der Zivilisation. Sonst ist das Turnen gut makkabäischer Ruf nach jüdischer Kraft. Aber widerspricht etwa das Makkabäische dem Jüdischen? Nein! Es ist vielmehr seine Erfüllung nach einer Richtung, die Möglichkeit der Kraft auf jüdischem Boden, die jüdische Farbe des Prinzipes der Kraft. Insofern hebt es sich als wahrstes Judentum einerseits ab von dem lächerlichen Hellenistensport, andererseits von den Kraftfeindlichkeiten jüdischer Geisteszeloten. Kein Volk der Welt kann sich über die Kraft erheben. Das ist Phantom. Ein jedes muss sich von ihren breiten Schultern tragen lassen. So will es die Wirklichkeit. Nur muss jedes in seiner eigenen Weise. Und diese ist für das jüdische Volk die Weise Makkabis und seiner Leute: Herzberuhigte, geistgeadelte Kraft, keine, die sinnlos wütet und an sich selber sich berauscht. Wie sie dahinschreiten, die Jünglinge, — in leiblicher Uebung, ohne allen leiblichen Uebermut, der so leicht in Roheit übergeht! Das können dann die Leute werden, wie sie sein sollen, still im Frieden und still im Kampfe, ohne alle Exzesse der Laune, aber entschlossen überallhin, wohin sie der Enthusiasmus führt. Warum beeilt man sich nicht in Galizien, diese Turnvereine zu verallgemeinern, einzubürgern, dem Volke verständlich zu machen? Gerade dort sind sie am nötigsten. Dort, wo ja auch nicht alle Lastenträger sein können und wo es eine erblühende jüdische Kultur gibt, die von starken Menschen besser geschirmt wird. Dort, wo so viele jüdische Kraft steckt, die nur auf Organisation wartet.

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