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Jüdische Turnzeitung · 1907-09-01 · 9 (9.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
9 (9.1907)
Date
1907-09-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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161 Schein, aller Verstellung und Selbsttäuschung zu entsagen; was er soll, hat der Qerätturner mit voller Wahrheit in die äussere Erscheinung zu setzen;, jeder in der Schar muss sich geben, wie er ist. Auf gut Glück oder tollkühn handeln, führt höchst selten, niemals sicher zum Ziel. Dem Qerätturner ist es unmöglich, sich bei seinen Unternehmungen unredlicher Mittel zu bedienen, auf sich selbst, auf sich allein ist er gestellt, muss zur Vollbringung dessen, was er soll, ein ganzer Mann sein. Er fragt nicht nach der Begründung eines Befehls, bevor er ihn ausführt, er sieht ein, dass er dem Kommando des führenden Kameraden mit derselben Straffheit gehorchen muss, wie sein Körper dem Willen des eigenen Oehirns pariert, er hat auch gelernt, kurz, scharf, fest und vor allem wortkarg zu sein. An das Gerät, das den Mann am wenigsten schont und ihn am härtesten absorbiert, ihm zeigt, dass der Mund nichts, die Kraft alles ist, müsste man allabendlich die Schwätzer und Versammlungsredner nehmen (sowohl die propter barbam als die mit der langen Erfahrung) und vom Vorturner „auspumpen" lassen. Selbst der rötliche Thersites würde es am Ende fertig bekommen, mit den Worten zu geizen. Die Einteilung der Geräte hat physiologische Grundlagen. Beuger und und Strecker der Muskulatur können nicht an einem Gerät zweckmässig geübt werden, da jene nur im Hangen, diese nur im Stemmen arbeiten. Ohne Widerstand der Beuger müsste sich beim Hangen der an die Unterstützungsfläche geheftete Körperteil verlängern, ohne den Gegenzug der Strecker würde er sich beim Stemmen verkürzen, vorausgesetzt natürlich, dass die körperliche Steifheit es zuliesse. Danach zerfallen die Geräte in zwei Hauptmassen, Hang- und Stemmgeräte. Beim Hange ist ein Gerät erforderlich, das Hangfläche zur Ausübung desselben darbietet, beim Stemmen eine Stützfläche, die geeignet ist, den streckenden Gliedern den notwendigen Widerstand zu leisten. Nicht zu beiden Gruppen gehören die Liegegeräte, deren es aber spezifischer Art nicht gibt, vielmehr sind es bestimmte Geräte, die dazu verwendet werden können: Stemmbalken, Schwebebaum, Pferd, Schaukel, Wippe (das Wasser beim Schwimmen). Diese Gattungen werden durch die Verschiedenheit der zu jeder nur denkbaren Gerätübung nötigen Unterstützungstläche bedingt. Lassen die Geräte einen Nebengebrauch zu — sie tun es fast immer — so sind sie im Gerätschatz um so wertvoller. Reichlich die Hälfte aller üerätübungen besteht aus Übungen im Hange. Da am gesunden Menschen die meiste und sicherste Hanggeschicklichkeit die Arme besitzen, sind an Zahl und turnerischem Wert die Armhangübungen weitaus die wichtigsten. Die Hangflächen können eine wagerechte, schräge oder auch senkrechte Lage haben, fest oder beweglich sein. Feste Hangflächen in verschiedenen Lagen bieten Kletterstangen, Leitern, Reck, Barren, bewegliche Hangflächen die Schaukelgeräte, Rundlauf usw. Die Übungen im Hange sind in sanitärer Beziehung unersetzbar, besonders zur Kräftigung des Rückgrates und der Rückenmuskeln. Es lag daher nahe, das Reck zum ersten deutschen Turngerät zu machen, ganz abgesehen davon, dass es der Erfindungskunst so reiche Ausbeute bot und durch die einzigartige Kühnheit der Schwünge sofort zum Lieblingsgerät wurde. Wie beim Hangen die Beugekraft der Muskeln, so tritt beim Stemmen ihre Streckkraft in Tätigkeit, durch die einzelne oder mehrere Leibesteile auf einer Stützfläche (oder mehreren) gehalten werden; Stemmiibungen sind daher gleichbedeutend mit Stütziibungen. Diese Tätigkeit geschieht entweder während der ganzen Dauer einer Übung oder, wie z. B. beim Sprung über Bock, Pferd, nur in einem kurzen Augenblick. Streckstütz, Beugestütz und Unterarmstütz kommen in häufigem Wechsel vor, jedoch nicht in gleichmässiger Anwendung auf die einzelnen Stufen, weil die Ausführung einer Übung durch die verschiedene

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