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Jüdische Turnzeitung · 1907-08-01 · 8 (8.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
8 (8.1907)
Date
1907-08-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 7 143 viel Erspriessliches geleistet würde, so wiire das das Beste, was der Turntag den jüdischen Turnvereinen draussen geben könnte. Aber neben dem rein Organisatorisch-technischen und neben dem Turnerischen gibt es noch ein Drittes, etwas, das für uns da war, ehe das Turnen kam und das allein uns das Recht gibt, unsere Vereine zu gründen, unsere Turnerschaft zu bilden, unsere Turntage abzuhalten: das Jüdische in unsern Bestrebungen, unsere national-jüdischen Forderungen. Dieser Punkt, „Die nationaljiidischeti Aufgaben der Jüdischen Turnerschaft" muss von diesem Turntage einer eingehenden Untersuchung unterzogen, geklärt und ein für allemal festgelegt werden. Ich habe nicht nötig, mich darüber auszulassen, dass und warum die Qiundlage der Jüdischen Turnerschaft, das treibende Moment in unserer Bewegung unser national-jüdisches Bewusstsein, unsere national-jüdische Tätigkeit sein muss. Aber die Frage: wie kann die Turnerschaft den Anforderungen gerecht werden, die sich aus diesem ihrem national-jüdischen Prinzipe ergeben, ist nicht geklärt, ist bei uns kaum einmal erörtert, und ihre Erledigung ist heute mehr als je zeitgemäss, ja dringend notwendig. Dass es die Pflicht eines jüdischen Turnvereins ist, den Juden das Turnen beizubringen, das wissen wir alle. Und wir sind auch schon darauf eingeübt, Gegnern, die uns dieses Recht streitig machen und die Lösung dieser Aufgabe anderen Körperschaffen als den Jüdischen Turnvereinen anvertraut sehen möchten, mit einer Reihe von uns schon geläufig gewordenen Schlagworten zu dienen: dass die Juden in die nichtjüdischen Turnvereine nicht hineingehen, dass sie zu uns aber kommen, dass die Rücksicht auf die besondere körperliche und seelische Veranlagung des Juden für seine Erziehung zum Sport und zum Turnen besondere Erfordernisse stelle, denen gerecht zu werden, ausserhalb des Willens und der Möglichkeit nichtjüdischer Turnvereine läge, dass die Juden eben etwas Besonderes darstellten und darum auch besonders behandelt werden müssten. Über das Niveau dieser Einwände erhebt sich unsere Rechtfertigung selten, denn das Thema der „Nation" anzuschneiden, dazu fehlt den jüdischen Turnvereinen draussen in der Provinz und vielleicht auch hier in den Orossstädten die nötige Erfahrung und demgemäss auch die nötige Courage. Wenn ich jetzt darlegen werde, dass der national-jüdische Qedanke in der Mehrzahl der jüdischen Turnvereine höchst mangelhaft entwickelt ist, dass ein grosser Teil dieser Vereine gar nicht weiss, was Nationaljudentum bedeutet und, was schlimmer ist, das national-jüdische Bekenntnis als eine traditionelle Gezwungenheit betrachtet, dann mögen Sie mir wohl entgegenhalten, dass eine solche Beurteilung auf Wien nicht zutrifft, für den Berliner Verein keine Berechtigung hat, dass auch auf die österreichischen Provinzvereine dieser Massstab nicht anzuwenden und dass in ihnen das nationaljüdische Leben sehr entwickelt ist. Auf diesen letzteren Einwand wüsste ich nichts zu erwidern, denn ich kenne die Verhältnisse nicht aus eigener Anschauung. Aber wenn ich nach den Berichten gehen soll, die ich in der „Turnzeitung" lese, so muss ich wohl annehmen, dass für Böhmen und Mähren und Osterreichisch-Schlesien eine andere Beurteilung wie für die Vereine Deutschlands nicht zutreffen kann und dass in den dortigen jüdischen Turnvereinen vom Nationaljudentum, nein, sagen wir, vom Judentum, ebensowenig zu spüren ist, wie in den reichsdeutschen Vereinen. Die Zustände in Deutschland aber kenne ich gut. Und diese sind derart, dass es höchst notwendig wird, dass der Turntag sich eingehend mit ihnen befasst und nicht nur auf Mittel sinnt, sondern auch solche findet, die geeignet sein müssen, hier schnell und grundlegend Abhilfe zu schaffen.

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