Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 8 (8.1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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141 getragene Stange als Reck oder zwei Stangen als Barren. Stütz- und Hängeübungen lassen sich an Mitturnern vornehmen, z. B. Liegestütztibungen aui den Schenkeln zweier im Ausfall nebeneinander stehenden Turner, auf ihren Schultern Stütz- und Schwungübungen, auf ihren sich gegenseitig festhaltenden Armen Hangübungen. Vor allem bieten die Freiübungen, die als Grundlage des Vereinsturnens ganz besondere Beachtung verdienen, Übungsstoff in Hülle und Fülle; sie stellen die einfachste und billigste Art des Turnens dar. Sie zeigen die Grundformen des Turnens und bilden die Vorübung nicht nur für schwierige Formen von Freiübungen, sondern auch für Geräteübungen. In ihrer exakten, straffen Ausführung liegt ihr pädagogischer Wert, ihre physiologische Wirksamkeit. Sie ermöglichen die Herrschaft über den gesamten Körper, sie üben das Koordinieren mehrerer Bewegungen. Der Turner, der regelmässig und straff Freiübungen treibt, wird beim Gehen durch seine schöne Haltung, seine sicheren Bewegungen, die frei von störenden Nebenbewegungen sind, auffallen. Ausser den Freiübungen 1. Ordnung, d. h. nach der Definition J. C. Lions allen denjenigen turnerischen Bewegungen, die der Mensch ohne äussere Hilfsmittel vermöge der Gelenkigkeit der Glieder auf einer ebenen Fläche, wie sie der platte und glatte Erdboden darbietet, vornehmen kann, kommen noch die Freiübungen 2. Ordnung, d. h. solche, bei denen andere Körperteile als die Füsse auf den Boden kommen (Spiess) und die 3. Ordnung, d. h. solche, die mit gegenseitiger Unterstützung zustande gebracht werden (Pyramiden, Ringen), in Betracht. Den Freiübungen verwandt sind die Handgerätübungen mit Holz-, F.isen-, Kugelstäben, Hanteln, Keulen, Springseil, Diskus. Sie bieten in ihrer Mannigfaltigkeit reiche Abwechselung und bei geschulter Turnleitung Anregung und Vergnügen. Sie sind in erhöhtem Masse geeignet, dem Körper Straffheit und Kraft zu geben. Ein hoher Wert für die Erziehung zur Disziplin und zum Gemeinsinn ist den Ordnungsübungen zuzuschreiben, allen jenen Übungen, die sich auf Bildung und Umbildung von Gemeinkörpern erstrecken. Der Turner lernt Iiier am ehesten sich in ein grosses Ganzes als Glied einfügen, wenn anders er nicht den Gesamteindruck stören will. Der Einzelne verschwindet zu Gunsten der Gesamtheit, des Gesamtbildes, und doch wirkt er als Glied mit am Erfolge des Ganzen. Im Anschluss möchte ich die Reigen erwähnen, aus einer Anzahl von Ordnungsübungen zusammengesetzte, charakteristische, ihytmische Ganze. Und dann die grosse Gruppe der volkstümlichen Übungen, d. h. aller messbaren Übungen. Ein Blick in die „Volkstümlichen Übungen" von Dr. Rudolf Üasch-Leipzig zeigt uns den unerschöpflichen Born dieser Übungen. Als Beispiel seien hier nur die Arten des Laufens angeführt: das Schnellgehen, der Fern- oder Eilmarsch, der Dauerlauf, der Schnellauf auf glatter Bahn Uber verschieden grosse Entfernungen mit und ohne Umkehren, der Sprunglauf, das Hürdenläufen, Sackhüpfen, Wetthinken, der Hindernislauf (Qraben, Hecke, Planke), das Hürdenlaufen, Dreibeinlaufen, Huckepacklaufen, Schubkarrenfahren, Laufen mit Bockspringen, Riegenlaufen, Stafettenlaufen, Emporstürmen auf schräge Flächen und als merkwürdige Arten des Wettlaufes: Rückwärtslaufen, Hundegang (auf allen vieren), Froschgang (Hüpfen im Schwebestütz), Stelzenlaufen, Eierlaufen, Eiertragen, Schlängellauf, Schnitzeljagd. Wahrlich eine reiche Auswahl in einer Gruppe volkstümlicher Übungen. Der Wert, den man den volkstümlichen Übungen zumisst, geht schon aus ihrer höheren Bewertung bei Wetturnen hervor. Die deutsche