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Jüdische Turnzeitung · 1907-08-01 · 8 (8.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
8 (8.1907)
Date
1907-08-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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140 No. 8 von grosser Bedeutung für die gedeihliche Entwicklung eines geordneten Turnbetriebes. Die Turnhallenfrage hat in der Fachpresse schon viel Staub aufgewirbelt. Wenn auch eine nicht geringe Zahl sachkundiger Beurteiler sich in der Auffassung einig ist, in der Turnhalle ein notwendiges Übel oder wenigstens einen Notbehelf, im Turnen im Freien das Ideal zu sehen, so wird man andererseits bei einer Witterung, die das Turnen im Freien durchaus unmöglich macht, den geschlossenen Turnraum nicht missen wollen. Der Verzicht auf ihn würde eine Abhängigkeit vom Wetter bedeuten, die einen regelrechten und stetigen Turnbetrieb erschwert. Wo uns also eine Turnhalle nicht zur Verfügung steht, werden wir uns nach Sälen, grossen Stuben, Wirtshäusern, Radfahrbahnen umsehen müssen. Diese Räume können natürlich nur als Notbehelf gelten, inuss man doch mit ihnen rechnen, wie sie einmal gebaut sind. Bei ihrer Schaffung wurden nicht die räumlichen und gesundheitlichen Gesichtspunkte beachtet, die der Turnhalle ihr Qepräge geben, wurde nicht eine den Bedürfnissen des Turnbetriebes entsprechende Heizungs-, Beleuchtungs- und Lüftungsanlage vorgesehen. Häufig wird die Grösse, Form und Höhe des Raumes mangelhaft sein, ganz abgesehen von gesundheitlicher Minderwertigkeit, und doch wird man den Raum in Benutzung nehmen müssen, um den Turnbetrieb zu stützen. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass die Benutzung eines solchen Turnraumes sich auf das notwendige Mass beschränken muss; immerhin bietet er jedoch den Vorzug, dass er das Geräteturnen durch bequemes Aufbewahren und Heranschaffen der Geräte erleichtert. Was das Turnen in Wirtshäusern anlangt, so wird häufig über die Wirte Klage geführt, die neben der Entrichtung des Mietszinses einen grösseren Bierkonsum von den Turnern verlangen; derartige Forderungen ergeben natürlich unhaltbare Zustände, und man muss bei Besprechung der Mietsbedingungen diese Frage erörtern. Man kann es ja dem Wirte nicht verargen, wenn er für sein Lokal nicht nur Gäste wünscht, sondern lieber solche, die sich vorher einen Riesendurst angeturnt haben: ihm gilt das Turnen als appetitanregende Vorspeise und wir wollen nicht den Teufel mit Beelzebub austreiben. Stehen Räumlichkeiten, wie ich sie vorher angegeben habe, nicht zur Verfügung, auch dann lässt sich noch ein straffer Turnbetrieb einleiten und aufrecht erhalten. Das deutsche Turnen und die ihm verwandten und angegliederten körperlichen Übungen bieten in ihrer Mannigfaltigkeit eine solche Fülle von Übungsstoff, dass es Wunder nehmen müsste, wenn es nicht auch dem etwas böte, der ohne geschlossenen Turnraum sich der edlen Turnerei widmen will. Chausseen, Wiesen, Wälder stehen wohl überall zur freien Benutzung offen; ja man spart an ihnen ausser der Miete auch noch die Qebühren für Reinigung, Beleuchtung und Bedienung. Auch soll die Ventilation meistens eine ganz gute sein. (Allgemeine Heiterkeit.) Allerdings ist man von den Launen des Wetters abhängig; doch stärker muss die eigene Laune sein — wenn man turnen will. Der Vorzug des Turnens im Freien liegt in dem Finfluss von Licht und Luft, den uns die gütige Natur in Riesenmengen schenkt. Ist ein Geräteschuppen in der Nähe des Übungsplatzes vorhanden und sind die notwendigsten Turngeräte beschafft worden, so kann sich ein regelrechtes Geräteturnen entwickeln; andernfalls finden sich im Freien improvisierte Geräte, die den Vorteil haben, ein Turnen zu entwickeln, das den Namen „Brauchkunst" verdient. Zettler, der sich in seiner Methodik des Turnunterrichts mit dieser Frage beschäftigt, rät zur Improvisation von Geräten: zwei in entsprechender Weise gegenüber gestellte Stuhllehnen dienen als Barren, eine feste Holzbank als Pferd, eine von zwei Turnern

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