Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 7 (7.1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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130 No. 7 nicht das geleistet, was wir hätten leisten müssen. Es soll dies kein Vorwurf sein, sondern eine Anfeuerung, damit die jüdische Turnidee endlich die Massen ergreife und sie zu dem bringe, was unser Traum und unsere Sehnsucht ist: nämlich die körperliche Renaissance des jüdischen Volkes. JV. Welche Wege haben wir einzuschlagen? Vorschlage zur Wenn wir mit Erfolg arbeiten wollen, müssen wir unsere 0 r g a n i - rg»nis«tion. satjon anrjers einrichten. Ohne Rücksicht darauf, ob wir in dem betreffenden Lande bereits Vereine haben oder nicht, müssen wir für jeden Staat einen Ausschuss bilden. Derselbe soll in dem betr. Lande, wo er wirkt und die Verhältnisse besser kennt als wir, in Verbindung mit dem Zentralausschuss, zu dem der jetzige Ausschuss sich gestalten soll, arbeiten. Wir müssen ferner zum Zentralausschusse noch ein Kuratorium, bestehend aus Führern grosser jüdischer Institutionen, wie der Zionisten, der Alliance etc. heranzuziehen suchen, deren Name in der ganzen Welt von Einfluss ist. Dann erst werden wir die grossen Massen gewinnen. Wir müssen ein stündiges Büro mit einer ausgedehnten Korrespondenz gründen, dessen Kosten sich auf ca. 1200 Mk. stellen dürften. Die ev. Korrespondenzen müssen prompt erledigt werden und nicht so zögernd wie bisher, dass z. B. auf eine Anfrage erst nach Wochen eine Antwort erfolgt. Dieses Zentralbureau soll ausserdem Verlag und Expedition unserer Zeitung sein. Ist der Sitz des Zentralbureaus Berlin, so kann es gleichzeitig vom Bar Kochba benutzt werden, wenn dieser einen Zuschuss dazu gibt. Bder"pr"seie unsere Idee überall populär zu machen, müssen wir ferner mit der jüdischen Presse Fühlung nehmen. Man hört jetzt über einen beliebigen Vergnügungsverein mehr, als über den Turnverein. Wir müssen die grossen Massen über den Stand der Turnbewegung und über die Wohltaten des Turnens unterrichten und sie ihnen verständlich machen; es Üisst sich dieses nur durch Herausgabe eines Korrespondenzblattes erzielen, das seehswöchtntlich im Jargon und, wenn nötig, auch in anderen Sprachen erscheint. Dieses Blatt muss allen jüdischen Zeitungen des in- und Auslandes zugestellt werden, düren es ca. 230 gibt, und diese werden ohne weiteres den Inhalt abdrucken. Die Kosten dafür dürften sich auf ca. 225 Mk. jährlich belaufen. r'Sf'In^Vwu Wir miissen *erner iec|es -'ahr einen Aufruf an die gesamte jüdische dcn*<icr Weit"Nation erlassen, der über die Notwendigkeit des Turnens in hygienischer Beziehung Aufklärung gibt und zur Gründung jüdischer Turnvereine auffordert. Ich bin überzeugt, dass dieser Aufruf, wenn bekannte Persönlichkeiten jeden Landes, Deutsche, Amerikaner etc., ihn unterzeichnen werden, nicht erfolglos verhallen wird. Das grosse Publikum wird einem Aufrufe, der kein Geld verlangt und ihm nur Gutes bietet, sicher Folge leisten. Zusummeo- Wir müssen zur Erleichterung der Einführung des systematischen chiu«««iierjo- Turnens einen knapp gefassten Leitfaden der Frei- und Qerütfibungen (mit "portvwSr. Abbildungen) in jüdisch-deutscher Sprache herausgeben, der gleichzeitig ein den verschiedensten Landesverhältnissen angepasstes Normalstatut enthalten itiüsste. Wir müssen einen Zusammenschluss aller jüdischen Turn- und Sportvereine zu ermöglichen suchen. Wir dürfen nicht mehr so einseitig sein. Wir wollen doch nicht etwa das deutsche oder das schwedische Turnen verbreiten, sondern eine körperliche Regeneration der Juden erreichen, und dazu miissen uns alle Wege recht sein, auch der Sport. Wir können durch ihn nur gewinnen, ohne das andere zu beeinträchtigen, nämlich Anhänger in Klassen, die wir sonst nicht bekommen könnten.