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Jüdische Turnzeitung · 1907-07-01 · 7 (7.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
7 (7.1907)
Date
1907-07-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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129 Turnwesen Sympathien hat, und dass schon russische, polnische und tschechische Turnvereine ohne erhebliche Schwierigkeit existieren, sich sogar vermehren, und andere Nationen, wie die Polen und Tschechen20) mit Erfolg sich um dis Einführung des Turnens unter ihren Landsleuten bemühten, so sollten auch wir nicht ohne weiteres die Flinte ins Korn werfen und es auf Versuche ankommen lassen. Warum sollen wir allein teilnahmslos fern stehen? Schwierigkeiten gab es in jedem Lande. Wurde doch sogar der Turnvater Jahn im Jahre 1819 in Haft genommen und das Turnen in Preussen verboten. In Wahrheit ist das Turnen in Russland auch nur eine Frage der Zeit, und für uns gilt es vorderhand, es dort populär zu machen, selbst wenn das Jahre in Anspruch nehmen müsste. Gerade das Turnen in jüdischen Vereinen wird auch dazu beitragen, den in erschreckender Weise um sich greifenden Abfall der jungen Juden Russlands von ihrer Religion und völkischen Eigenart in seine Schranken zu bannen; sonst haben wir nach 15 bis 20 Jahren nur Russen und keine Juden. Mandelstamm sagt in seinem Schreiben: „Der Qhcttojude überbürdet wohl sein üehirn mit verschiedenem Kram, aber hat nicht das geringste Verständnis für körperliche Übungen, für die Entwicklung und Stärkung seiner Muskeln.' Dieses Verständnis zu schaffen ist die Hauptaufgabe, die wir zuerst ins Auge fassen müssen. Ferner müssen wir versuchen, Turnvereine für Knaben bis zu 13 Jahren zu gründen, deren Existenz doch der Regierung nicht allzu gefährlich erscheinen kann. Jedoch das Wichtigste von allem ist die Einführung des Turnen in den Chedarim und den modernen Schulen, welcher doch gar keine Schwierigkeiten entgegenstehen. Ich freue mich, noch in letzter Stunde von einer Autorität auf diesem Gebiete, die sich um die Modernisierung der Chedarim einen Namen gemacht hat und auf deren gütige Unterstützung wir auch in Zukunft rechnen können, ein Schreiben erhalten zu haben, nämlich von Rabbiner Dr. Eisenstadt in Rostow a. Don, der mir folgendes mitteilt: „Die Einführung des systematischen Turnens in allen besseren Chedarim, wie ganz besonders in den jüdischen Qemeiudeschulen „Beth-Talmud Tora" ist sehr leicht. Es muss dafür seitens der Zionisten etwas getan weiden, auch die Rabbiner könnten dafür Sorge tragen." Ich erfuhr von einem Lehrer, wie man auf die Jugend einwirken kann. Das Bild unserer Baseler Turngruppe erschien in einer hebräischen Kinder- Leitung: die Kinder brachten dieses Bild an der Wand ihres Cheders an. In der Pause entledigten sie sich ihres Rockes und zogen sogar die Oberhose aus. um so noch mehr den deutschen Turnern zu ähneln, und spielten auf diese Art wochenlang, bis der Rebbe diese „Komödiantenarbeit'-, wie er es nannte, verbot. Aus meinen Ausführungen haben Sie, meine Herren, die Möglichkeit der Einführung des Turnens in den meisten Ländern ersehen, da in Amerika, England, Österreich, Qalizien, Deutschland fast gar keine, in Russland überwindliche Schwierigkeiten bestehen. Darum an die Arbeit! Wir, die wir andern Mut einflössen wollen, dürfen selbst den Mut nicht sinken lassen. Im Verlaufe von 8 Jahren haben wir ») Für die jüdische Turnerschaft kann vorbildlich die tschechische Sokolgemeinde sein, die im August 1905 in Prag einen Kursus behufs Heranbildung von Turnlehrern, die sich zur Verwendung in Russland eignen würden, abgehalten hat. In den Ferien 1905 hielten 6 Turnlehrer aus Russland im Verein mit dem tschechischen Ausschuss eine Beratung ab, wie die Verbreitung des Turnens in Russland unter den Tschechen zu fördern ist.

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