Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 7 (7.1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Liepāja 1× ep/1000744
- Odesa 1× ep/1000834
- Riga 1× ep/1000826
- Tallinn 1× ep/1000950
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128 Kapore! Allen Komödianten inuss es so gehen. Nein, für Juden ist das nichts!" So gross war ihre Verständnislosigkeit. Gerade in Amerika ist es eine dringende Notwendigkeit und zugleich auch die Möglichkeit vorhanden, Turnvereine ins Leben zu rufen. Bekannte^ Persönlichkeiten, die die Körperpflege in Amerika empfehlen, könnte ihn Ihnen eine ganze Anzahl aufzählen, und an Philantropen, die Geld geben würden, fehlt es auch nicht, wie Sie aus meinen Ausführungen gesehen haben. Russiand. In Russland ist das Turnen im Jahre 1825 zuerst in den Ostseeprovinzen eingeführt worden. In den wenigen Schulen, die den Juden offen sind, wird leidlich geturnt; an ministriellen Erlassen hat es auch nicht gefehlt, z. B. verordnet einer vom Jahre 1905, auch für das leibliche Wohl der Schüler zu sorgen. Allein, alles bleibt auf dem Papier; die Bevölkerung macht von diesen Möglichkeiten aus Vorurteil nur den geringsten Gebrauch. Turnvereine gibts einige, z. B. in Odessa (der älteste seit 1861), Riga, Libau, Moskau, Petersburg, Kiew, Reval, Dorpat, Rostow a. Don. Diese Vereine bestehen teils aus Deutschen, teils aus Russen und werden auch deutsche resp. russische Turnvereine genannt. Juden werden in beiden nicht aufgenommen. Einem Schreiben von Professor Mandelstarhm entnehme ich, dass in Kiew ein polnischer Turnverein existiert, dem keine Juden angehören, und in den sie seiner Meinung nach auch nicht aufgenommen .werden. In einem dortigen Atlethenklub ist ein Jude (Kapernek) Mitglied, der auch dem dortigen Yachtklub angehört. In Warschau wurde, wie mir Dr. Münz von dort schreibt, ein polnischer Sokolverein vor einem Jahre gegründet,, der keine Juden aufnimmt. Jüdische Turnvereine gibt es nach eingezogenen genauen Informationen keine. Es waren allerdings einige Anfänge zu verzeichnen, die sich jedoch nicht gehalten haben. In Rostow a. Don nehmen mehrere junge Juden bei einem deutschen Lehrer gemeinsamen Turnunterricht, jedoch war das nicht von Dauer. I" Lomza in Polen gründete ein ehemaliger Barkochbaer, von der II. Abt., der russische Student Goldin, einen Turnverein. Wie mir mein Gewährsmann erzählte, war es ein wunderlicher Anblick, als die polnischen jungen Chassidim mit langen Locken und langem Kaftan die Übungen mehr öder minder geschickt ausführten. Diese, die hauptsächlich aus Freiübungen bestanden, wurden vor einer grossen Zuschauermenge auf einem Hof ausgeführt und erfreuten sich grösster Zustimmung. Aber nachdem der Lehrer die Stadt hatte verlassen müssen, ging nach 5 monatlichem Bestehen der Verein wieder ein. Ausserdem werden zum Teil bei den freiwilligen Feuerwehren der kleinen Städtchen turnerische Übungen ausgeführt. Über die Möglichkeit der Einführung jüdischer Turnvereine in Russland schreibt mir Prof. Mandelstamm, dass im gegenwärtigen Moment, wo die Juden zwischen Gleichberechtigung und Progromen schweben, kaum daran zu denken sei, regelmässige Turnübungen in Russland vorzunehmen. Überhaupt könnte man hierzulande, wo fast alles verboten ist und nur weniges erlaubt, die. 1 umfrage erst dann entscheiden, wenn es einer Duma gelingen wird, die allernotwendigsten politischen Freiheiten zu erkämpfen. Ebenso äusserte sich auch das Mitglied der ersten Duma Dr. Schemarja Lewin, den ich ebenfalls in dieser Frage gesprochen habe. Ich persönlich bin gleichfalls der Meinung, dass bei der gegenwärtigen Lage unserer Brüder in Russland auf eine allgemeine Verbreitung oes Turnens nicht zu rechnen ist. Allein, wenn man in Betracht zieht, dass die Regierung selbst für das