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Jüdische Turnzeitung · 1907-07-01 · 7 (7.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
7 (7.1907)
Date
1907-07-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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125 alle, während das Turnen offiziell nicht geübt wird. Im orthodoxen Bund •Indischer Akademiker (ca. 100 Mitglieder) turnt und ficht fast niemand! Wieviel luden in den christlichen Vereinen turnen, ist schwer festzustellen. In Betracht kommt die deutsche Turnerschaft mit ihren (1906) 772 134 Mitgliedern18). Der Deutsche Turnerbund (Antisemiten) und der Arbeiter-Turnerbund sind fast judenfrei. Insgesamt gibt es nach meiner Berechnung in Deutschland ca. 1000 000 Turner, das macht ca. \% pCt. der Gesamtbevölkerung aus. Ich habe in einer grossen Anzahl von Städten (ca. 38) festgestellt, dass in der deutschen Turnerschaft im Durchschnitt ca. 1 Vi bis 2 pCt., d. h. etwa 10 000 Juden turnen. In der Qesamtbevölkerung machen die Juden 1,04 pCt. aus, demnach ist die Beteiligung der Juden am Turnen in Deutschland ungefähr gleich stark oder sogar etwas stärker wie die der Christen. Bedenkt man aber, dass die Juden sich zu ca. 53 pCt. den geistigen Berufen widmen, so erscheint diese Beteiligung doch sehr minimal. Äussere Schwierigkeiten, in Deutschland jüdische Turnvereine zu gründen, sind nicht vorhanden, auch innere kaum, da man hier schon allgemein den Wert des Turnens kennt. Ein Zeichen, wie wenig trotzdem hier bisher gearbeitet wurde, ist, dass wir nur in 13 Städten jüdische Turnvereine haben, während es 30 Städte mit mehr als 2000 und 24 Städte mit mehr als 1000 jüdischen Einwohnern gibt. In Osterreich, wo das Turnen sehr verbreitet ist, gibt es nur 18 Oesterreich, jüdische Vereine, darunter nur 4 in Qalizien, das ist im Verhältnis zur iiid. Bevölkerungsziffer, welche 2 Millionen beträgt, sehr wenig. Die Mehrzahl der jüdischen Studentenverbindungen in Österreich turnt und ficht wenig. In christlichen Turnvereinen turnen wenig Juden, da wie bekannt, der Kreis 15 h der Turnerschaft antisemitisch ist. In den übrigen Kronländern, im polnischen Sokol und in den czechischen Turnvereinen turnen Juden auch nicht in zu grosser Anzahl. In der letzten Zeit sind ihrer noch weniger geworden, da die Juden jetzt eine selbständige nationale Partei gebildet haben und aus diesem Anlasse stark gegen Polen und Czechen polemisieren. In Kroatien, wo noch keine jüdischen Turnvereine existieren, nehmen die Juden Anteil an den sog. Sokolvereinen. Differenzen mit diesen sind selten. Trotzdem, schreibt mein Gewährsmann, macht sich besonders unter unserer zionistischen Jugend das Bestreben bemerkbar, auch auf dem Gebiete des Turnens rechtzeitig die Scheidung vorzunehmen. Hier ist ein Fingerzeig für unsere Turnerschaft, die günstige Gelegenheit auszunützen. In mehreren Staaten, in denen sich nur wenig Juden befinden, An^"0p*"d<M existieren fast gar keine jüdischen Turnvereine. (Skandinavien, die Nieder- 9 •ande, Belgien, haben je einen, Frankreich 2 und die Schweiz ebenfalls 2)10. In diesen Ländern wird das Turnen vom Staate gefördert, und die eingeborenen Juden nehmen im allgemeinen am christlichen Turnen teil. Jedoch ist es auch dort sehr nötig, die jüdische Turnbewegung einzuführen. Seit den grossen Wirren in Russland gibt es in jedem dieser Staaten ein Ghetto mit tausenden von Flüchtlingen. Man könnte mit Leichtigkeit dort Turnvereine gründen; auch hier müssen wir die Initiative ergreifen. Nun gibt es noch einige jüd. Turnvereine in Rumänien, nämlich 3, in der Türkei 3 und in Bulgarien sogar 12. In diesen Ländern ist der Wert des Turnens um so bedeutender, als dort das Schulturnen fast gar nicht gepflegt wird. In Bulgarien gibt es auch „paritätische" Turnvereine, in denen von Antisemitismus weniger zu spüren ist, die jedoch aus nationalen und sozialen Gründen von Seiten der Juden keinen Zuspruch haben. J8) Jahrbücher der Turnkunst", 1907. l9) Dr. Spitzer, Vorsteher der jüdischen Oemeinde in Essek-Oberstadt.

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