Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 7 (7.1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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126 No 7. Ehland. ]m ge|0t,ten Lande des Sports, in England, wo das Turnen erst im Jahre 1864 eingeführt wurde, wird es noch heute durch den Sport fast ganz verdrängt. Einem Briefe des bekannten Schriftstellers, Rechtsanwalt Swowman, London, entnehme ich, dass es in England keine einzige umfassende Organisation gibt, die das physische Wohl der Juden zum Ziele hat, ausser der Jewish-Lads-Brigade, die im Jahre 1895 zu dem Zweck gegründet wurde, die physische Entwicklung der armen jüdischen Jugend Englands zu fördern. Sie begann mit 60 Mitgliedern und zählt deren heute über 4000. Im Jahre 1896 machten den Übungsfeldzug nur 19 Burschen mit, im vorigen Jahre beteiligten sich an diesen Übungen in Dlal 1700 Personen. Es gibt in London allein 17 Kompagnien; das Provinzregiment besteht aus den Kompagnien von Manchester, Liverpool, Hull, Birmingham, Leeds, Sheffield, Bradford und New-Castle. Es gibt jetzt sogar ein Regiment in den Kapkolonien von Johannisburg und Port-Elisabeth. Die verschiedenen jüd. Arbeitsklassen im ganzen Königreich haben vielfach ihre Turnerabteilung; z. B. der „The Jewish Working Club" und „Lads-lnstitute" (London und Manchester). Amerika. Auch in Amerika steht der Sport obenan, aber es hat auch der durch Deutsche im Jahre 1S48 gegründete erste Turnverein grosse Fortschritte gemacht. Der nordamerikanische Tumerbund zählt jetzt nicht weniger als 37 29ü Mitglieder in 237 Vereinen. Da er seiner Tendenz nach streng demokratisch ist (anfangs nannte er sich sogar „Sozialistischer Turnerbund"), ist der Anteil der Juden, hauptsächlich der eingewanderten deutschen Juden, sehr stark. Viele Juden stehen noch heute an der Spitze der Bewegung, jedoch für die eingewanderten osteuropäischen Juden kann sie ihrer besonderen Eigentümlichkeit wegen nicht in Betracht kommen. Meiner Information nach sind bei den eingewanderten Juden das Turnen sowie andere Leibesübungen ganz ungebräuchlich; sie gönnen ihrem ruhelosen überarbeitetem Nervensystem keine Erholung. Es bestehen dort ferner noch Turnsektionen christlicher junger Männer (Young Men s Christian Assiociation), sowie schweizerische, skandinavische und dänische Turnvereine. Beschämend für die amerikanische Judenheit muss es wirken, dass, w ie ich in Amerika gehört habe, und wie es mir hier in Berlin von Herrn Dr. Petodt, Chikago, bestätigt wurde, dem „Turnverein christlicher junger Männer" in Chikago z. B. 50—60 pCt. Juden angehören. Es gibt nun einige Sportsverc-iuc und Jewish Lads Brigades nach englischem Muster in New-York, Philadelphia. Chikago und einigen anderen Städten, die rein jüdisch sind. Für die grosse Masse der East End-Juden aber ist, solange man nicht eine tüchtige Propaganda entfalten wird, das Turnen ein verschlossenes Gebiet, obwohl ihm bei der Ostseite-Jugend ein grosses Feld offen stände. Es haben zwar schon einige Philantropen eine gewisse „Leaivue", eine Turnhalle für die jüdische Jugend, im Seward-Park erbaut, jedoch sind durch den Mangel an Aufsehern und an Turnvereinen Unglücksfälle so ausserordentlich häufig, dass an eine richtige Verbreitung Oes Turnens durch diese Massregel nicht zu denken ist. Ich habe selbst bei meinem Besuch Amerikas im vorigen Sommer an einem Sonnabend Nachmittag eine Würdigung des Turnens von unseren Ostseite-Brüdem zu hören bekommen. In einem Ostscite-Park. wo, wie auf vielen öffentlichen Parks, ein Tuntplatz mit sämtlichen Geräten vorhanden ist, habe ich manche hervorragende Leistung am Reck und anderen Geräten von Juden gesehen. Unglücklicherweise fiel nun ein Turner und verletzte sich unerheblich. Von den tausenden von Zuschauern schrieen die, welche diesen Unglücksfall mitangesehen hatten, laut; „Eine schöne