Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 7 (7.1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 123 meinen Ausführungen klar geworden sein: Eine anstrengende Ver- Leibesabungen i- * t. * . . •. iii t ■■ . . u . »'» Resenegangenheit hat uns entkräftet, eine fur die Hauptmassen rationsmittci. unseres Volkes noch traurigere Gegenwart macht uns den Degenerationsproz'ess verständlich. Es muss Abhilfe geschaffen werden und zwar eine solche, die im Bereich der Durchführbarkeit liegt. Und wenn auch die soziale Lage sich bessert, was ja auch nicht von heute bis morgen möglich ist, so kann ein seit Jahrtausenden kranker Volkskörper nicht auf einmal geheilt werden. Nur durck körperliche Übungen können wir unseren geschwächten Körper wieder aufrichten, gegen die einseitige Inanspruchnahme des Qeistes und die dadurch verursachten Folgen ein Gegengewicht herstellen. Wir haben genügend Beweise, wie segensreich die physische Arbeit auch auf unsere Brüder einwirken kann. Wer hat nicht von den Hafenarbeitern Salonikis gehört, die durch ihre herkulische Gestalt die Bewunderung der Fremden erregen, oder von unseren Kolonisten Westrusslands und von der kräftigen und straffen Muskulatur bei jüdischen Metzgern und sonstigen Arbeitern. Fishberg, der bekannte Arzt und Anthropologe in New-York, sagt: »Als .Jen meine anthropologischen Messungen in dem Gymnasium Educaäfional Alliance vornahm, hatte ich Gelegenheit zu beobachten, dass derjenige Teil der daselbst befindlichen East-End-Jugend, welcher körperliche Übungen vornimmt, einen ebenso entwickelten Brustkasten wie der Amerikaner besitzt". Was den Ostseite-Juden am meisten not tut. ist die Physische Entwicklung. Ihr Muskelsystem braucht aufmerksame Pflege. Wird ihnen diese nicht zuteil, so ist Gefahr vorhanden, dass die gesundheitsfeindliche Umgebung, die verpestete Luft ihrer Wohnungen ihre physische Kraft schon in der nächsten Zukunft derart untergraben wird, dass sie verheerenden Krankheiten, namentlich der Auszehrung in einer in der Geschichte zivilisierter Völker bisher unerhörten Weise verfallen werden. Hier ist der Weg, auf dem allein eine dauernde Hebung des darnied erliegen den körperlichen Zustandes der Gesamtjudenheit herbeigeführt werden kann: Nur durch systematische Kör per Übungen, durch Einführung \on Turnvereinen und ähnlichen Institutionen, welche körperliche Hebung bezwecken, können wir unser«,, alte Stärke und Gesundheit wieder erlangen. in. Wo finden wir die Möglichkeit, das Turnen unter den Juden zu verbreiten? Um diese Frage zu beantworten, will ich ganz kurz auf die Geschichte des Turnens zurückgreifen. Hierbei wird sich auch die Meinung unserer heutigen Orthodoxen in Russland und Galizien widerlegen lassen, dass das Turnen gojisch, d. h. unjüdisch, sei. Zwar waren die Griechen die ersten, bei denen das Turnen zu Zwecken j/rm!|fdsi"lihin der Volkserziehung eingeführt und systematisch betrieben wurde; aber noch CIAn,ik" lange vor dieser Blüte der Körperkultur weiden „Riesen" und „mächtige läger" in der Bibel erwflhnt, deren physische Vollkommenheit in ihrer Art weht geringer war als die der Griechen. Solche Riesen und .läger waren 7- B. Nimrod, Esau; und selbst Jacob, der ruhige Mann, besass Riesenstärke; von Simson, Gideon und Jephta nicht zu sprechen, deren Taten nach Euler14) den Herkulesarbeiten nahekamen. Von Saul sagt man, dass l«) Euler „Encyklopädisches Handbuch des gesamten Turnwesens" Bd. I.