Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 7 (7.1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965113-5965264--1919-4924755- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
122 No. 7 studierenden 9,9 pCt. Juden, d. h. ca. 9mal mehr als die Juden zur Gesamtbevölkerung ausmachen. Diese Tätigkeiten, Handel und Studium, bedingen eine fortgesetzt starke Inanspruchnahme des Geistes, woraus hauptsächlich die grosse Zahl der Irren resultiert, während andererseits der Körper zur Ruhe verurteilt ist und demzufolge verkümmern muss. Stadtbewohner. Dazu kommt ferner, dass die Juden sich Uberhaupt in grossen Städten konzentrieren (in Deutschland wohnen in Städten über 100 000 Einwohner 42,42 pCt. aller Juden, von Christen nur 15,90 pCt.), wo die Luitverhältnisse nie die besten sind, und wo das unaufhörliche Hasten und Treiben von Handel und Gewerbe die Nerven in ganz bedeutendem Masse in Anspruch nimmt und schwächt. Ferner fehlt ihnen völlig die Mischung mit frischem Blut von Landbewohnern, und wahrscheinlich trägt auch die stete Inzucht ihren Teil zur Degeneration bei. vCThäitni'sse Noch trauriger ist die Lage unserer Brüder und Schwester im Osten und in den in der Welt zerstreuten Zufluchtsstätten. In ihren Distrikten wohnen sie zusammengepfercht ohne genügende Luft- und Lichtzufuhr bei mangelhafter Ernährung. In Russland wohnen 94,15 pCt. von ihnen in Städten und nur der kleine Rest in Landorten, ein neuer Beweis dafür, dass die Zufuhr von frischem Landbewohnerblut fast völlig fortfälltIn Kowno betragen die Juden 70 pCt. der Bevölkerung und bewohnen nur 52 pCt. der Gesamtzahl der Häuser, in Wilna ist das Verhältnis 60 pCt. und 40 pCt. und in Galizien soll es noch schlimmer sein. Ebenso ist das Verhältnis in allen anderen Ländern: In Amerika, in den Niederlanden, England und Dänemark wohnen die Hälfte aller Juden allein in den Hauptstädten. Nach Jacobs wohnen aller Juden in Grossstädten. Auch kommen hier die unhygienischen Verhältnisse der Wohnungen in Betracht, z. B. in den Ghettis von London und New-York, wo die Judenmassen auf kleinen Räumen zusammengedrängt wohnen. oieduri.il. Es versteht sich von selbst, dass bei einer derartigen anormalen Lage der Gesamtheit der Juden die Erziehung der Kinder keine gute sein kann. Durch das gesundheitsmordende Eingepferchtsein in der verpesteten Chederluft von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr ohne jede körperliche Bewegung, und durch das Überbürden des Gehirns mit allerlei Wissen, zu welchem die Kinder ihrem Alter nach noch gar nicht reif sind, werden sie bereits in der Jugend physisch so geschwächt, dass sie sich kaum je davon erholen können. Von diesem Chedarim gab es 1899 in den Ansiedlungsrayons 25 000, und es werden nicht weniger als 370 767 Kinder dort erzogen1''! andererseits gab es im selben Jahre nur 820 moderne Schulen. Nicht viel besser sind die Schulverhältnisse in Galizien. In England und Amerika müssen die Kinder nach dem obligatorischen Schulbesuch jeden Tag bis spät in der Nacht noch in Chedarim hocken. In London gibt es deren ca. 200. in den westeuropäischen Ländern werden vielfach die jüdischen Kinder ebenso mit allgemeiner Bildung überbürdet, und daher stammt zum grossen Teil deren körperliche Schwäche 1B). Dr. Dörnberger stellte durch Beobachtungen an 286 Kindern, die von München aus in die Ferienkolonie gesandt wurden, fest, dass die jüdischen Kinder den christlichen gegenüber im Gewicht durchweg um 1—2 Jahre zurückstanden. Was die Ursachen des körperlichen Verfalles sind, wird Ihnen »uS ">) Volkszählung in Russland 1897. ») Zeitschrift „Woschod", August 1894. ") Enqufte der Jewish Colonisatlon Association (Ica) über die jüdischen Schulen in Russland. 1904. i») Dörnberger „Internationales Archiv für Schulhygiene" Bd. III, 3. Heft.