Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1907-07-01 · 7 (7.1907) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
7 (7.1907)
Date
1907-07-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4921092-5965113-5965264--1916-4924752
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 7 119 Juden prozentualiter eine kleinere ist als bei Andersgläubigen, so ist aber auch andererseits die Geburtenziffer eine ganz bedeutend kleinere als in allen Ländern, wie folgende Tabellen zeigen: Nach Singer3) starben auf 1000 Personen: , . Anders- Judcn gläubige in Preussen 1900 ...... 14,96 21,70 im europ. Russland 1894 .... 16,93 36,32 in Oesterreich 1900 ...... 18,37 25,52 Lebend Oeborene kamen auf 1000 Personen: in Preussen 1900 ..... 19,48 36,27 im europ. Russland 1904 . . 21,20 51,72 in Oesterreich 1900 .... 32,65 37,23 Aus diesen statistischen Zahlen ist zu ersehen, dass der Rückgang der Jüdischen Bevölkerung ein grösserer wäre, wenn nicht die Sterblichkeitsverhältnisse so günstig liegen würden. Die Qründe dafür sind hauptsächlich die bedeutend kleinere Kindersterblichkeit gegenüber der bei anderen Völkern. Es starben z. B. jüdische griech.-kath. Kindel* Kinder auf je 1000 Kinder in Russland .... 232 407 während in Nordamerika die entsprechenden Ziffern 217 und 451 waren. Ähnlich sind die Verhältnisse in anderen Ländern. Ein Qrund dafür ist die grössere Sorgfalt, die im Durchschnitt die jüdische Mutter ihren Kindern aiigedeihen lässt. Anders ist es z. B. bei den russischen Bauern, denen der Tod ihres Schweines ebenso sehr zu Herzen geht, als der ihres Kindes. Ebenso sorgfältig pflegen die Juden ihre Kranken; und auch dadurch, dass sie grösstenteils Stadtbewohner sind, ist ihnen die Möglichkeit geboten, schneller und besser ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich sehe es 'ast täglich in Berlin, wie hunderte von kranken russischen Juden von weither, nachdem sie ihr letztes Hab-und Out zu Geld gemacht haben, nach der Reichshauptstadt kommen, um sich bei ärztlichen Autoritäten behandeln?u lassen. Fragt man einen Juden, warum er gerade die teuersten Badeorte aufsuche, so antwortet er, dass ihm für seine Gesundheit nichts zu teuer sei. Hierzu kommt, dass der Jude auch durch seine Religionsvorschriften, sowie die dadurch bedingte sittliche Lebensweise, von Syphilis und anderen Üeschlechtsleiden verschont bleibt, wenn auch im Westen unter dem Einflüsse der Assimilation dieser Vorzug immer mehr verschwindet. Trotz aller dieser günstigen Momente weist die Statistik nach, dass die Juden die grösste Krankheitsziffer stellen; z. B. waren in Preussen im Jahre 1895 unter 100 000 Einwohnern: 104,8 Juden und 65,3 Christen blind, 129,8 » n 85,8 « taubstumm. Nach den medizinal-statistischen Mitteilungen des Kaiserl. Gesundheitsamtes vom Jahre 1902 beträgt die Zahl der Taubstummen auf 100 000 Einw. 136 Juden, 83 Evangel., 92 Kathol. In Ungarn kamen 1900 auf 100 000 Einw. an Taubstummen: 100,93 Juden, 88,51 Christen. Auch die Zuckerkrankheit, die durch geringe körperliche Arbeit sowie durch Ansameln von Pett begünstigt wird, ist bei den Juden mehr als bei anderen Rassen verbreitet; so kamen z- B. in Preussen im Jahre 1890 auf 656 an Diabetes gestorbenen Zucker krankheit. a) Dr. H. Singer „Krankheitslehre der Juden« 1904.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.