Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 6 (6.1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6 105 gleich alten Nebenleuten sich musterhaft in den Rahmen der turnerischen Forderungen einfügten. „Geräte frei und beiseite schaffen!" Rasch geht's, und ebenso schnell sind lebende Ketten gebildet, die sich vor das Publikum legen, um den Raum für die jetzt folgenden Delikatessen freizuhalten. Achzehn Turnerinnen, nein Königinnen, das Kostüm ein Gedicht, schreiten nach Art einer Gavotte den von Turnlehrer P o 11 a k graziös einstudierten Reigen ab. Dass er graziös, entzückend usw. war, überhaupt alle Superlativen Eigenschaften in sich vereinigte, kann man auch sagen, ohne mit den Damen nach dem Kommers einen Wiener Walzer getanzt zu haben. Nicht nur den reichsdeutschen Turnern taten vom Klatschen die Hände weh. Über die M u s t e r r i e g e am Reck, die nach alten Erfahrungen jedes Schauturnen krönen muss, kann sehr viel oder sehr wenig gesagt werden. Wir wollen das letztere tun. Unsere Gipfelturner begannen gleich hochmütig mit Riesenschwüngen, keiner wollte nachstehen, auch die nicht, die eigentlich nicht in die Musterriege hineingehörten. Die kühnen Bravourleistungen, die ohne. Vorbereitung des Publikums geliefert wurden, hätten sonst mehr zur Geltung kommen müssen. Ohne Wertung der wackeren Andern seien mit glänzenden und technisch'vollendeten Übungen genannt: Meyer-Köln, K i k o 1 e r und Lewin-Berlin und ein Grazer Turner, dessen Name dem Schreiber dieses entfallen ist. Allen Musterturnern aber unsere Hochachtung und noch an dieser Stelle ein kräftiges Hedad! Triumphstimniung in unseren und freudigste Genugtuung in der tausendköpfigen Gäste Kreisen leitete zur Krönung des grossen Abends hinüber, zum Verbands-Kommers, der in den gleichen Hallen stattfand, die unsere ehrenvolle Arbeit hatten schauen dürfen. Sie boten einen glänzenden Anblick, die 5 langen dichtgedeckten Tafelreihen und hoch darüber der bunte Rahmen der Gallerien. Von Dr. Werner geleitet, verlief die Veranstaltung unter Rede, Gesang und Orchesterklängen freudig und würdig. Viel wurde an diesem Abend nicht gesprochen, aber Geist, Feuer, jüdische Seele war darin. Nach dem Präsiden sprachen die Vertreter der Turnerschaft, des zionistischen Distrikskomitees und der Verbandsvereine. Manches Wort verdiente festgehalten zu werden, aber wir müssen es uns aus leidigem Raummangel versagen. Zwischen den Reden erfreute noch die Riege des Kölner .1. T. V. mit einer mustergiltigen Sondervorfiihrung; sie zeigte an eigens mitgebrachten blitzenden Nickelhohlst.'iben eine Reihe ausserordentlich komplizierter, kunstvoller Stab- 'ibungen. Unter Jubel und Tanz land das Pest am frühen (oder späten) Morgen sein Ende. Aus der Jüdischen Turnerwelt. Berlin. J. T. V. „Bar Kochba". Aus dem Mai ist noch die Turnfahrt der Mannerabteilungen am 9. von der Stadt der Baumblüte, Werder, über Lehnin nach Brandenburg a. H. zu erwähnen. Teilnehmerzahl 22, Marschleistung 45 km. Nach der Wiener Reise sind wir zunächst in einen Zustand wohliger Erschlaffung gefallen. Es dauerte geraume Zeil, ehe wir nach all dem Schönen, das wir gesehen und erlebt hatten, wieder zu uns kamen. Erst wollte es uns in Berlin garnicht mehr gefallen; inzwischen haben wir uns wieder assimiliert und senden allen Heben Freunden vom Turntag unsere horzlich^teVürusse. Auf baldiges Wiedersehen! — Im Programm des