Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1907-05-01 · 5 (5.1907) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
5 (5.1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4921092-5965113-5965262--1867-4924705
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 5 zugleich angesehen werden, dass aber eine Auswahl von Gegenständen (Ceräten) schon genügt, um den Zweck nicht zu verfehlen. Über die Auswahl selbst ist man zu verschiedenen Zeiten sehr verschiedener Ansicht gewesen und ist es noch. An sich ist kein irgend einmal im Laufe der Geschichte so vieler Turnanstalten ersonnenes Gerät als verwerflich, keins aber auch als unentbehrlich zu bezeichnen, so sehr man sich auch von Zeit zu Zeit über den Wert einzelner Geräte gestritten hat (Barrenstreit in Preussen), so sehr die Meinungen darüber wechseln und auch unter ganz gleichen Umständen oft weit auseinander gehen. Der Untersuchung der Form der Geräte muss eine Betrachtung der Turnarten vorausgehen. Der Antrieb zu allen einzelnen Turnübungen liegt in den vielgestaltigen Bewegungsbedürfnissen, denen der Geist sich bewusst wird; unerschöpflich quillt der Drang, sich zu regen und zu rühren. Nicht bloss das Turnen überhaupt, sondern auch jede besondere Form des Turnens wird von innen heraus geboten und muss als wohlbedachte Figur leiblicher Tätigkeit wohltuend auf das Innere zurückwirken. Sucht man nach Gründen des Urteils über den Wert einer solchen bestimmten Form, so muss man im Auge behalten, dass der Gebrauch des Leibes und seiner Teile ganz und gar nur durch Versuche und Erfahrungen gelernt wird, dass also auch die Zweckmässigkeit der Formen nur durch Probe und Erlebnis ermitielt werden kann. Die Merkmale, an denen erkannt wird, ob eine einzelne Form im einzelnen Fall angebracht war, sind: eine gewisse stille Heiterkeit des Gemüts und eine leichte Ermüdung des angestrengten Körperteiles, ein körperliches und ein geistiges Lust- oder Wohlgefühl. Der schwedische Gymnasiarch Lin» sagt mit Recht, dass Freude und Friede der Gewinn der Leibesübungen sind, und Gutsmuths nennt sie Arbeit und Gewände der Freude. Die Merkmale, an denen erkannt wird, ob eine Übung im Allgemeinen zu empfehlen ist, können von diesen Kriterien der Trefflichkeit im Besonderen nicht verschieden sein. Es verdienen alle diejenigen Übungen Beachtung, von welchen die Erfahrung aussagt, dass sie. mit Verstand betrieben, in der gedachten Weise erheiternd und beruhigend wirken. Die Turnkunst, als der Inbegriff aller trefflichen Leibesübungen, ist ein Ergebnis der Erfahrung. Wie kein Gebiet der menschlichen Erfahrung abgeschlossen ist, solange Menschen geboren werden, ist es auch das der Turnkunst nicht. Mit der stets vorhandenen Möglichkeit, neue turnerische Erfahrungen zu machen, ist die Formentwickelung der Turnkunst selbst gegeben. Die schwedische Gymnastik wagt nun die Behauptung, nicht die Erfahrung hätte das Urteil über eine Übungsform zu bestimmen, sondern man habe lediglich die Gesetze der Anatomie, Physiologie und Diätetik zu befragen. Als ob diese Gesetze selbst etwas anderes wären, wie der einfache Ausdruck gewisser Erfahrungen, und als ob die eine Erfahrung an sich nicht so gut wäre, wie die andere. Die Summe von Erfahrungen, welche die genannten Wissenschaften nach ihrer Art bereits angesammelt haben, wird zu der andern Summe, welche die Turnerei ebenfalls in ihrer Art gemacht hat, herangezogen werden können, um diese zu läutern und sich selbst an ihr zu berichtigen und zu vervollständigen; aber diese andere Summe ersetzen, das kann sie nicht. In der Behauptung der Übermacht der einen Art der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.