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Jüdische Turnzeitung · 1907-05-01 · 5 (5.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
5 (5.1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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81 Erfahrungen Uber die andere liegt eine Willkür. Und die schwedische Gymnaslik hat sie nicht vermieden. Wenn sie z. B. erinnert, dass Übungen mit Handgewichten schädlich sind, sobald letztere Hantelform haben, aber als Keulenübungen erspriesslich, so sieht man, wohin die Verachtung der Erfahrung führt, nämlich zum Unsinn. Auch von anderer Seite hat man die Bedeutung der Erfahrung für die Turnkunst zuweilen unterschätzt. Als Spiess in der anatomischen Anlage des Körpers die Unterscheidungsmerkmale für eine grosse Menge von Übungsformen nachgewiesen hatte, glaubte man den Gestaltungsgrund der Formen selbst aufgedeckt zu sehen; hier wurden Gesetz oder Regel und Ursache oder Grund der Erscheinung verwechselt; doch blieb die Erfahrung in ihrem Recht. Die Formentwickelung hängt durchaus mit den Vorstellungen zusammen, welche sich der Mensch zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten von seiner Bestimmung gebildet hat. Machte doch das Vollkommenheitsideal der Völkerindividuen dem Einzelnen das eine Mal (bei den Indern) die Zerstörung, das andere Mal (bei den Hellenen) die Ausbildung des Leibes sogar zur religiösen Pflicht. Im Gerätturnen soll nun ein solcher Reichtum an Formen der Übung erstrebt werden, dass sie möglichst vielen gerecht werden kann. Eine Aufsammlung turnerischen Übungsstoffes zu solchem Behut verlangt notwendig eine Ordnung desselben nach einem bestimmten Grundsatz, einem System. Alle Systematiker würden darin einig sein, dass die Turnübungen nur nach der grösseren oder geringeren Übereinstimmung ihrer wesentlichen Merkmale, d. h. nach dem Grundsatze der Ähnlichkeit zu ordnen sind, wenn nicht die Ansprüche der Anwendung häufig von denen der reinen Theorie abwichen, und Methode und System verwechselt würden. Eine Übung ist ein in sich abgeschlossenes Ganzes mit Ursache, Regeln,-Zweck, ein eigenes Werk, das wir bauen und, sobald es fertig ist, schätzen lernen. Und wie der Meister, der ein Haus errichtet, nicht nur daran denkt, dass in ihm Menschen wohnen sollen, sondern sich der Formenschönheiten freut, die unter seiner Hand entstehen, so erweckt die Leibesübung neben dem Gefühl der realen Wirkung in der Darstellung selbst das freudige Bewusstsein der plastischen Bewegungsformen des eignen Körpers. Die nationale deutsche Gymnastik hat in dieser Erkenntnis viel versäumt. Was natürlich ist, ist auch schön. Der Spruch, der sogar 'n den Kreisen mehr zur Geltung kommt, in denen der terror nudi früher das Spiel verdächtigte, muss Grundsatz der Turnerei werden. In dieser Richtung liegt der Vorwurf der künstlichen Ausgestaltung, der dem Gerätturnen gemacht wird, und weiter die verbreitete Abneigung gegen den schulgerechten, pädagogischen Aufbau, der das Gebiet zu einer Wissenschaft erhebt. (Fometxung folgt.) Aus der Jüdischen Turnerwelt. Berlin. J. T. V. Bar-Kochba. Am Sonntag, den 28. April, fand das 7- Stiftungsfest der I. Frauenabteilung statt. Die gut besuchte Veranstaltung trug einen intimen, fröhlichen Charakter. Ein mit Geist komponiertes kleines Bühnenstück und Tanzvorträge sorgten für beste Stimmung.

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