Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1907-05-01 · 5 (5.1907) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
5 (5.1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4921092-5965113-5965262--1866-4924704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 5 79 leistungen zum Ziele und nimmt die volle physische und ethische Fähigkeit des Einzelwesens In Anspruch. Zur Erhöhung der Anregung und Gewinnung eines Massstabes für den jedesmaligen Grad der Leistungen dient ihm der Wettkampf, als unentbehrliches Bildungsmittel, indem er den praktischen Gesichtspunkt gelten IBsst: Ein Wettkampf ist die Arbeit, ein Wettkampf unser Leben. Überall da, wo die Leibesübungen tiefer ins Volksleben eingedrungen sind, findet der Sport günstigen Nährboden; er tritt uns entgegen in den olympischen Spielen Altgriechenlands, in den Turnieren des deutschen Rittertums, neuerdings in den grossen Regatten und Fussballkämpfen Englands ebenso wie den Volksturnfesten Deutschlands, deren sportsmässige Handhabung sich ergab, sobald die Voraussetzungen Jahns fortfielen. Besonders in England hat der „Turf" so tiefe Wurzeln geschlagen, dass er in allen Schichten der Bevölkerung zu finden ist, ja einen Teil des englischen Volkscharakters abgibt. Es bedarf nicht erst der negativen Begründung, um an Hand dieser Tatsachen nachzuweisen, dass den Juden die Plattform fehlt, auf den sie so gern den Sport der Andern stellen möchten. Wo haben wir die Körperkultur, die der Sport braucht, um zu gedeihen; denn allgemein erziehliche Bildungselemente trägt er seinem ganzen Wesen nach nicht in sich. Dass ungesunde Auswüchse zu Tage befördert werden, kommt nicht einmal in Frage. Jede Übertreibung führt zur Unnatur; aber wenn ein Volk, von dem das Turnen in geistvoller Weise zu einem schulgemässen Erziehungsmittel gestaltet worden ist, auch den Sport akzeptiert, so steht fest, dass es ihm die Grenzen des Rechten und Statthaften zu ziehen vermag. Erst ein planmässig geordneter, tief eingedrungener Turnbetrieb gibt dem Sport Ziel und Stätte. Dann kann auch eine jede gesunde LeibesUbung dem Volkswohl dienen. Wir müssen also, bevor wir etwas leisten wollen, üben, und wie wir üben sollen, zeigt uns am besten die Natur. Alles, was sie an Formen in den drei Naturreichen hervorgebracht hat, und alles, was menschlicher Beobachtungsgeist aus ihr sich als Werkzeug angeeignet und wie immer um- und fortgebildet hat, kann dem Körper zur Probe seines Könnens als Gerät dienen und dient ihm im strengem Wortsinne solange wirklich als solches, bis er es durch Übung bemeistert hat und nach Erlangung einer gewissen Fertigkeit mit Geschick nun ohne Übungsgedanken zur Befriedigung seiner Bedürfnisse gebraucht oder verbraucht. — Auch die Tiere turnen an und mit den von der Natur gegebenen Formen, bilden sie wohl auch um (wie beim Nestbau, dem Höhlengraben, den Biberbauten), niemals aber, und das ist für die Kraftentwickelung bezeichnend, benutzen sie einen vorgefundenen oder künstlich veränderten Naturgegenstand dazu, mit ihm einen anderen Gegenstand abermals umzugestalten. — Zur völligen Beherrschung der Turngerätkunde gehört eigentlich eine umfassende Bekanntschaft mit sämtlichen Gebrauchsgegenständen, welche der menschliche Geist im Laufe von Jahrtausenden sich angeeignet und zurecht gemacht hat, weil jeder einmal bei irgend einer Gelegenheit turnerisch gebraucht werden kann. Vor diesem Anspruch schützt aber die Rücksicht auf die turnerische Systemathik, die nachweist, dass zur Erreichung des Turnzweckes zwar Geräte verschiedenster Art notwendig sind, sei es, dass diese als Hilfsmittel, oder dass sie als Hindernisse der Bewegung, meistens als beides

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.