Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 4 (4.1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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68 No. 4 regelte Schweissabfuhr wird durch ungeeignete Kleidung erichwert, ja verbindert, weswegen sich daa Tragen von poröser imprägnierter Kleidung empfiehlt. Eine Tatsache, die wenig bekannt, aber dnrch Messungen festgestellt ist, ist der Umstand, dass durch Übung eine möglichst rationelle Schweissabsonderung erzielt werden kann. Ungeübte Leute sondern erheblich mehr Schweiss als geübte ab, da geübte Menschen ihre Muskulatur viel rationeller anzuwenden verstehen. Die Menge der Schweissabsonderung und die Hohe der Körperwärme können demnach als ein Massstab (Or die körperliche Übung des Menschen gelten. Der Alkohol ist schädlich, da er zu übertriebener Schweissabsonderung fahrt, ganz abgesehen von der ungunstigen Beeinträchtigung der Herztätigkeit. (Aus .Kraft und Schönheit*.) Alkoholismus bei Juden. Dr. Hoppe stellt fest, dass die Nüchternheit der Juden eine der wesentlichsten Ursachen für ihre verhältnismässig geringe Teilnahme an der Kriminalität ist. Diese Nüchternheit oder Mlssigkeit stellt sich dar als eine durch unendlich zahlreiche Generationen hindurch geübte Gewohnheit wahrscheinlch religiösen Ursprungs, die endlich zu einem angeborenen Widerwillen gegen Unmassiftkeit geworden ist. Aber die fortschreitende Assimilation lisst die jüdische Massigkeit langsam schwinden. (Ztscbr. f. Dem. u. St.) Feuilleton. Henryk Glicenstein. Die Jüdische Kunst drohte bereits eine Phrase zu werden. Von den neuerwachten Judenseelen schmerzlich vermisst, mit verzehrender Sehnsucht herbeigeträumt, für ihre ersten zarten Gaben überschwanglich bejubelt und gefeiert, musste sie das Schicksal aller lange erwarteten, mit Ungeduld empfangenen, in Affenliebe verhätschelten Kinder Uber sich ergehen lassen. Ihr leisestes Lächeln wurde als Offenbarung, jedes heimliche Keimchen als strotzende Fortentwicklung, ja jede Ungezogenheit und Unschicklichkeit, weil sie von ihr kam, als köstliche Besonderheit vor aller Welt herausgestrichen. Aus dem verborgenen Ringen in den Abgründen qualvoll empfangender Künstlerseelen war sie in jähem Übergang in die grelle Flitter- und Reklamewelt der Soireen und Ansichtskarten eingetreten. Es war ein Wunder, dass neben den Halbbegabten, die sich, von zu viel Lobgeschrei betäubt, in Selbstgefälligkeit und hohlem Protzentum verloren, den wirklich Begnadeten, die über allzu frühe Anerkennung stolperlen und für lange oder für immer verschwanden, und den bodenlos Unfähigen, die nur eine solche unmässig beifallfreudige Generation aus dem Sumpfe des Nichts emporschwemmen konnte, noch ein guter Teil Grosser übrig blieb, die inmitten all des Trubels als Einsame, Unbeelnflusste, Unbeirrte, aus ihrem eigenen tiefen Grund, ohne Überhastung, mit bewusster, ruhiger, stetiger Elementarkraft wahre künstlerische Schöpfungen wirkten. Und so kann man wohl sagen, dass alles, was wir an jüdischer Kunst wirklich Bedeutsames besitzen, entstanden ist — trotz aller Bestrebungen und Unternehmungen zu ihren Gunsten. Wer hat von Henryk Glicenstein in all den Jahren seines Werdens gewusst? Was hat ihn das Verlangen der nach jüdischer Kunst hungrigen Schreier gekümmert? An welche neujüdische Bewegung hat er sich um