Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 4 (4.1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
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No. 4 67 Der zweite Monatsbericht des Vereins bringt interessante Tatsachen, so die Feststellung, dass die liberale englische Regierung sich den einwandernden Juden gegenüber schlimmer verhalte, als die frühere konservative; ferner Mitteilungen Ober den günstigen Stand der Aktion des Volksvereins gegen die Misshandlungen auf englischen Ochsenschiffen u. a. m. In Berlin hat sich eine territoriallstische Vereinigung unter dem Namen „Zangwill-Klub" gebildet. Den Vorsitz haben die Herren Dr. Simonsohn, Arthur Brünn und J Goldschmidt. Arthur Brünn, NW. »3, Cuxhavener Str. 17. Verein „Ferienheim iür jüdische Kinder", Brünn. Der Verein «Ferienheim für jüdische Kinder" wurde vor Jahresfrist von einigen wackeren jüdischen Frauen und Mädchen begründet, um einem Teile der armen jüdischen Jugend während der Sommermonat* dem häuslichen Elend für die Dauer einiger Wochen zu entreissen und einer Wohltat teilhaftig werden zu lassen, die keinem Kinde entzogen werden sollte. Kein Volk hat es so notwendig an eine gesunde widerstandsfähige Generation zu denken, wie wir Juden. Gerade wir Juden, die wir der Mutter Erde durch unsere traurige Lage förmlich entfremdet sind, haben Grund und Ursache, dafür Sorge zu tragen, unserer Jugend in den Sommermonaten einen Sommeraufenthalt zu ermöglibhen. Dem Rechenschaftsberichte ist folgendes zu entnehmen: Im Jahre 1906 gelang es dem Vereine, 40 Kinder in den Ferienkolonien unterzubringen. Bei den Kindern wurde eine durchschnittliche Gewichtszunahme von a'/i kg pro Kind nach vierwöchentlichem Autenthalt konstatiert. Wir wünschen dem Vereine im Interesse unserer Jugend eine gedeihliche Entwicklung. Geisteskrankheiten bei Juden. Nach Marly, Arzt des Bürgerhospitals zu Constatine, ist auch bei den Juden in Algier die Zahl der Geisteskranken grösser als bei den übrigen Volksteilen Algiers. Es beträgt nämlich die Zahl der Geisteskranken auf 1000 Personen desselben Volkes bei den Juden 1,7 „ „ Franzosen 1,5 „ , Arabern 0,07 „ „ Fremden 0,02 (Ztschr. f. Dem. u. St.) Körperwärme und Körperleistung. Über die wechselseitigen Beziehungen zwischen Körperwärme und Körperleistung, deren Kenntnis für eine gesunde Lebensführung bedeutsam ist, äusserte sich Geh. Regierungsrat Professor Dr. Z u n t z , Rektor der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin, in einem Vortrag. Die beiden Grundlehren der neueren Wärmelehre, dass in der Natur keine Kraft aus dem Nichts entsteht, sondern jeder Kraftform eine, durch Umwandlung entstandene äquivalente Kraftform entspricht, und ferner, dass mit jeder Kraftentwicklung ein Wärmevorgang verbunden ist, finden auch ihre Anwendung im Gesamtmecbanismus des Körpers, der sich als eine höchst komplizierte Maschine darstellt. Bei richtiger Anwendung der Muskulatur lassen sich ca. 331/, Prozent der aufgespeicherten Lebensenergie in nutzbare Arbeit umwandeln, während dieser Prozentsatz bei älteren Dampfmaschinen nur 6—8 Prozent, bei den leistungsfähigsten neuen Maschinen ao Prozent bis höchstens 95 Prozent beträgt und das andere in Form von Wärme für den eigentlichen Arbeitszweck verloren geht. Durch Übung wird die Muskulatur auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit erhalten. Die Abhängigkeit der Leistung von der Temperatur haben die neuen Entdeckungen über die chemischen Umsatzprozesse im menschlichen Körper in das rechte Licht gesetzt. Der Mensch mit seiner konstanten Temperatur ist immer leistungsfähig. Haben die Warmblüter Nahrungsmangel, so werden sie zu Kaltblütern (Winterschlaf) und sind befähigt, von dem in ihrem Innern aufgespeicherten Material zu leben. Durch ingeniöse Messmethoden ist man imstande, das Verhältnis zwischen Körperwärme und -leistung genau zu fixieren. Die Wärmeabgabe vollzieht sich durch die Haut, die allein aber nicht genügt, um die dem Körper schädliche Oberflüssige Wärme fortzuschaffen. Da treten als Verdamptungofläcben die Luftwege und der über den ganzen Körper verbreitete SchweissdrOsenapparat in Funktion. Die für den Organismus unentbehrliche, ge-