Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 4 (4.1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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66 No. 4 Die effektvollste Übungsgruppe auf dem Hochreck musste entfallen, da uns in letzter Stunde die Erlaubnis zur Montierung des Spannrecks verweigert wurde; es vermochte dies aber der Stimmung keinen Abbruch zu tun, so dass das Fest unter den Klängen der Militärkapelle einen überaus animierten Verlauf nahm. Eines Umstandes sei noch mit besonderer Genugtuung erwähnt: Der I. Wiener Jüdische Turnverein hat durch Entsendung mehrerer Vertreter seine freundschaftliche Gesinnung zum Ausdruck gebracht; wir waren in der angenehmen Lage, den Obmann des I. W. J. T. V., Herrn Dr. Werner, den Schriftführer Herrn Lamberg und andere Herren des Ausschusses an unserem Abend begrüssen zu können. Der Abend selbst bedeutete einen grossen moralischen Erfolg für den Verein; erwähnen wir noch, dass auch die Kassagebarung einen namhaften Überschuss ergab, so können wir im ganzen die Veranstaltung als In jeder Beziehung gelungen erklären. Cand. ing. Alfred BonhardI derz. Schriftführer. Konstantinopel. Der Israelitische Turnverein veranstaltete am 10. März sein zweites Sportfest, das der Öffentlichkeit die Jugendabteilung, Knaben und Mädchen im Alter von 8—12 Jahren, vorführte. Aus dem reichhaltigen Programm seien hervorgehoben: die Reckübungen der Knaben, ausgeführt in ryhtmischen Bewegungen unter Begleitung des Orchesters, dann ebenfalls von Musik getragene Freiübungen der Mädchen; die athletischen Darbietungen und die Schlusspyramiden, die von 25 Kindern gestellt wurden. Alle Darbietungen, unter Lellung des Turnwarts Albert Ziffer, fanden rauschenden Beifall. (Nach der Konst. Ztg. „Stamboul".) Vermischtes. Jüdische Schauspiele in Berlin. Zwei Dramen, Uebertragungen aus dem Jadischen, gingen im Laufe der letzten Woche in Berlin in Szene. Das eine, Scbalom Asch's soziales MileustOck .Der Gott der Rache", macht trotz seiner bedeutenden Schwachen im Deutschen Theater bei glänzender Besetzung volle Hauser. Die sittliche Reinheit in der Behandlung des heiklen Stoffes — das Stück spielt im Bordellhaus —, wie die kräftige Theatralik einzelner Szenen lassen einen ernsten markige0 Dichter sparen. — Das zweite Drama, .Familie Zwi" von David Pinski, das den Pogromschrecken auf die Bahne bringt, und .das Sterben der alten Schönheit" im Judentum darstellt, hatte, an sich trotz der Grösse und dem Adel seines Gegenstandes dramatisch viel schwacher, auch in der Auffahrung ein ganz anderes Schicksal. Der Verein zur Förderung jüdischer Kunst, der nicht zum ersten Male eine unglückliche Hand bewies, wagte eine völlig unzureichende Inszenierung mit jämmerlich*» schauspielerischen .Kräften«. Unmögliche Trachten, widerliche Geberden, herrenfeldisches Gemauschel, Karrikaturen der Typen — das sollte jüdisch-charakteristisch sein. Das Ganze war, statt jadische Kunst zu fördern, eine Schändung ihrer und jadisch-völkischen Lebens. I. A. Jüdischer Volksverein, Berlin. In der Ausstellung für soziale Fürsorge und Gesundheitspflege, welche vom 16. bis aa. März im Nenen Königlichen Opernhaus Kroll stattfand, hat der jadische Volksverein für hervorragende Leistungen auf sozialem Gebiete das Ehrendiplom erhalten.