Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 4 (4.1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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62 No. 4 mehrere, oft sehr viele verschiedene Muskeln oder Muskelgruppen in der der Art tätig sein, dass sie entweder gleichzeitig oder in einer bestimmten Aufeinanderfolge oder in einer wohlgeordneten Abwechselung sich kontrahieren; und nur durch ein zweckmassiges Zusammenstimmen (Koordination) aller dieser Einzelbewegungen kommt eine in sich völlig harmonische Gesamtbewegung zustande. Die Steigerung der Koordinationsfähigkeit ist demnach wertvoller als die Vermehrung der Muskelkraft. Das Koordinationszentrum, von dem die Anregung der koordinierten Bewegungen erfolgt, liegt im Kleinhirn. Unser Willensimpuls soll den Körper beherrschen, das Nervensystem gehorchen, das Muskelsystem richtig arbeiten lernen. (Fortsetzung folgt.) Aus der Jüdischen Turnerwelt. Berlin. J. T.-V. „Bar Kochba«. Schauturnen. Mit dem Glockenschlag um 2'/2 Uhr, führten unsere Lehrlinge ihre geschlossenen Flankensfiulen in den riesigen Saal. Für die folgenden Freiübungen war der Anmarsch in scharfen Figuren unter Vermeidung langer Züge gut gewählt. Eine Anordnung in rechtwinkligen Formationen führte geschickt zur Aufstellung und schuf fast in einem Guss den inneren Zusammenhang mit der wuchtigen Übungsfolge an Ort, deren Thema aus Armstossen mit Ausfall und Auslage bestand. Das Bild war nicht nur ästhetisch, sondern drückte auch erfrischend die ungebundene Kraft unserer Jungen aus. Den gleichen fröhlichen Charakter, einer Zöglingsabteilung angemessen, trug das Gerätturnen, bis auf die ersten Riegen an Reck und Schwungbrett - hier war eine komplete Saltomannschaft gerüstet — die kühne Leistungen boten. Die als Apotheose kommandierten Leiterpyramiden mit herausfordernden Gipfelstellungen klappten militärisch. Der Aufmarsch der Frauen- und Mädchenabteilunge11 wurde im Wechsel von kombinierten Reihungen und ausgedehnten Schwenkungen absolviert. Daran schlössen sich Freiübungen in der nicht alltäglichen Aufstellung zu Gruppen, mit symmetrisch ergänzender Tätigkeit gedacht, aber aus Armbewegungen, Rumpfbeugen und Geschritten zusammengesetzt. Das vorgesehene und fleisslg eingeübte Gerätturnen musste aus Zeitbedrängnis fortfallen, was am lebhaftesten die Turnerinnen selbst beklagten. Dafür kam ein Schleierreigen mit schönen Motiven zu imponierender Geltung. Der dröhnende Tritt der Männerabteilungen erfüllte darauf den Saal. Durch Bildung enger Rotten wurde der Eindruck des Massigen erhöht. Kurze Umzüge bewahrten die Dichtigkeit und ermöglichten selbst für die anspruchsvollen Stabübungen eine sparsame Aufstellung. Die Ausführung des auch für das Wiener Verbandsschauturnen bearbeiteten Stabschwlngens mit Handwindungen und entsprechender Beintätigkeit wurde durch den kurzen Takt des Befehls begünstigt, der auch die totale Körperbeherrschung erweisen Hess. Das Gerätturnen war durch den Zeitmangel