Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 4 (4.1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 59 Ich resümiere: Die jüdischen Turnvereine mögen besondere Sport-Abteilungen je nach der Vorliebe ihrer Mitglieder oder von Outsiders, die auf diese Weise der Regenerationsbewegung dienen wollen, bilden oder bilden lassen. Diese Abteilungen mögen Agitation treiben, mögen die Turnspiele pflegen. Diese Forderung dürfte eine Forderung der Notwendigkeit und der Gerechtigkeit sein. Unsere Wege können vielfältig sein, unser Ziel nur eines. München. Cand. med. Felix Theilhaber. Gerätturnen. Von Turnlehrer ErichBurin. Seitdem die Leibesübungen wieder ein allgemeines Erziehungsmittel geworden sind, hat ihnen die Eigenart der Völker ihr nationales Gepräge gegeben, sie in ein ihrer körperlichen und geistigen Beschaffenheit angemessenes, scharf begrenztes System gefügt und die auf dieser Grundlage erreichten Leistungen zu vergleichendem Wettstreit herausgefordert. Eine differenzierende Wirkung konnten die wechselseitigen Beziehungen der Kulturnationen aber nicht ausüben, vielmehr zeigte sich auch hier die Erscheinung, dass ein Austausch des geistigen Eigentums angestrebt wurde je nach dem Gesichtswinkel, unter dem die Erfolge und Vorteile des fremden Systems sich von dem Standpunkt der eigenen Gymnastik aus betrachten und in die heimischen Verhaltnisse einpflanzen Hessen. Es mag begreiflich sein, dass gerade von der deutschen Körperkultur ganze Theorien übernommen wurden, für die in dem Rahmen des vaterlandischen Turnens durchaus kein Platz vorhanden war und die daher heftige Kampfe herbeiführen mussten. In standig wiederkehrenden Perioden erleben wir die feindliche Stellungnahme der Anhänger der schwedischen Gymnastik, des englischen Sports und des deutschen Turnens. Die Gegensatze sind zum Teil recht theoretisch konstruiert, zumal die Methoden der Schulgymnastik im wesentlichen parallel laufen und die Jugend aller LBnder trotz des pädagogischen Zwanges doch instinktiv das Richtige trifft; im Prinzip der einzuschlagenden Bahn haben sich indessen feste Begriffe gebildet, die soweit auseinandergehen, dass gegen den einseitigen Anspruch auf unbedingte Anerkennung entschieden Front gemacht werden muss. Man könnte, wie wir später feststellen werden, auf den ersten Blick feeneigt sein, das deutsche Turnen gegenüber seinen Rivalen zu benachteiligen. Jahrzehnte hindurch galt es allgemein, und in weiten Kreisen gilt es noch heute nicht als das Ideal körperlicher Bildung. Jedoch erst die jüngsten Erfahrungen haben gelehrt, dass für die Erziehung ungeübter Massen, um die es sich z. B. in der jüdischen Turnbewegung handelt, für die durchschnittliche Erhöhung des körperlichen Niveaus nur seine zielbewusste Anwendung in Frage kommt. Wir haben hier nicht die nationalen Forderungen zu untersuchen, — vielleicht ist in ihrem Interesse und für a'e besonderen Zwecke des Heeresdienstes ein der Staatsform ent-