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Jüdische Turnzeitung · 1907-04-01 · 4 (4.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
8 (1907)
Issue
4 (4.1907)
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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58 No. 4 wirklich unserer grossen Aufgabe nahekommen wollen, die Leibeszucht unter den Juden populär zu machen. Der einseitige Turnfanatismus steht dazu in krassem Widerspruch. So war es drei Jahre lang in München unmöglich, einen jüdischen Turnverein auch nur leidlich zu halten. Einige Berliner Herren, die ad verba magistrorum der Turnerschaft eingeschworen waren, haben sich die redlichste Mühe gegeben, das Turnen unter den vielen Münchener Juden populär zu machen. Die anfängliche Begeisterung, die durch lebhafte Agitation geweckt worden war, kühlte sich etwas ab, und das Turnen wurde kraft seiner vielen, wenig anziehenden Eigenschaften (?) bald von den meisten abgelehnt. Die Turnspiele ziehen jeden neu Eintretenden schon an. Hier ist er in wenigen Minuten fähig, den Sinn des Spieles zu verstehen, er kann sich gleich betätigen und bemerkt vom ersten Augenblick an den prickelnden Reiz, sich mit dem Gegner zu messen. Der nervöse Jude fühlt den Hochgenuss doppelt. Er sucht etwas Leben, rasche Bewegung, Sinn in der körperlichen Übung. Die Turnspiele, sie sind Kampfspiele, sie sind echte Kämpfe, ehrliches Ringen, seine Kraft über die des Andern za stellen. Viel weniger tritt der Sinn beim Turnen zutage. Vieles ist recht ermüdend, ohne in dem Arbeitenden das Gefühl der Zweckmässigkeit aufkommen zu lassen. Viele Übungen werden — °^ unbewusst — als direkter Zwang, als Unbequemlichkeit empfunden. Zum Schluss noch ein Wort zu einem recht verkannten Turnspiel: zum Fussballsport. Ursprünglich von England und Amerika in Deutschland eingeführt, hafteten ihm noch alle Auswüchse der dortigen Spielart an. Wie es eine Zeit gab — und das sind immer die ersten Jahre der Einbürgerung dieser Sporte -.— w° man Rad- und Automobilfahren mit Rennfahren verwechselte, so waren auch hier die ersten Zeiten Jahre der Ausartung. Aber wie man ganz gemütlich Automobil fahren kann, gemütlich natürlich nicht im Verhältnis zur Schnelligkeit eines Fussgängers, sondern zur eigenen — so kann ein kräftiger, gesunder Mensch auch die Anforderungen des Fussballspieles aushalten, ohne irgend welchen Schaden zu nehmen. Die Regel ist nur: fair spielen und strenge Vorschriften einhalten! Dass auch dieser Sport sich einbürgert( bezeugen am besten zwei praktische Beispiele: Ein Münchener Turnverein hat vier selbständige Fussball-Abteilungen. In Berlin erhalten jetzt die Offiziere der Armee Unterweisung in diesem Sport.

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