Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 4 (4.1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 57 „Sie lehren uns rasch beobachten, auffassen, überlegen und schnell entschlossen zur Tat aberzugehen. Sie erzeugen in uns mit dem Gefahl der Kraft Selbstvertrauen, Entschlossenheit und die Kardinaltugend des Willens, den Mut. Sie zwingen zur Selbstbeherrschung und zur Besonnenheit." „Bald ist, wo der Wagemut nicht zum Ziele führt, kluges Masshalten und zähe Ausdauer geboten. Im Spiele werden Eigensinn, Trotz und Unverträglichkeit nicht geduldet; Dünkel, Rechthaberei, Selbstgenügsamkeit und Selbstüberschätzung haben hier keinen Platz, Schüchternheit und grämliches Wesen müssen weichen . . . Aber gerade wir Juden sollten die Belebung der Volksspiele ins Auge fassen. Es dürfte sicher sein, dass besonders die, welche an nervöser Unruhe, körperlicher Hinfälligkeit oder seelischer Verstimmung laborieren, am wenigsten zum Turnen zu bewegen sind. Und wenn es selbst nur ein bestimmter, vielleicht sogar ein kleiner Teil ist, der gerne seine körperliche Frische sich erhalten möchte, aber durch seinen körperlichen oder geistigen Zustand verhindert wird, am Turnen in der ersten Zeit andauernden Gefallen zu finden, so müssten wir schon deshalb für diese eigene Sportabteilungen gründen, in denen sie regelmässig die Organe ihres Körpers durch Arbeit kräftigen können. Und es gibt noch eine zweite Gruppe von Juden, die — wie der Schreiber dieser Zeilen — durchaus die Tendenz der jüdischen Turnerschaft anerkennen, die selbst lange Zeit mitgeturnt haben, heute aber den Sport, die körperlichen Leibesübungen dem Turnen vorziehen. Vielleicht begreifen viele unsern Geschmack nicht. Ich persönlich fühle mich nun einmal nach einstündigem Rudern, Fussballspielen, Laufen viel mehr befriedigt und gekräftigt als nach ebenso langem Turnen. Und ein eintägiger Ausflug, oder «ne nachmittägliche Rodelpartie ist mir lieber als das Turnen und kommt mir gesünder vor als der Besuch von einem halben Dutzend Turnabenden. Dann gibt es noch eine dritte Gruppe. Die, welche die Turnabende nicht einhalten wollen oder können, und auch die, welche nicht aus langer Überlegung, sondern aus früherer Bekanntschaft mit einem Sport einfach denselben weiter auszuüben Wünschen. Mit allen diesen Momenten müssten wir rechnen, wenn wir