Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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38 No. 3 den Eifer, der an mancherlei Widerwärtigkeiten, mit denen man bei einer Vereinsgründung zu rechnen hat, häufig sich abzustumpfen droht, auch dann sind nachfolgende Vorschläge in Erwähnung zu ziehen. Müssen wir es auch als das Ideal ansehen, unseren Turnbetrieb ins Freie zu verlegen, so verlangt unser Klima doch häufig genug nach einem gedeckten Raum. Ein Tanzsaal, eine grosse Stube werden zur Not herhalten müssen. Und wenn selbst — was wohl selten der Fall sein dürfte — derartige Räume nicht zur Verfügung stehen, so können im Freien Marsch- und Freiübungen, Laufübungen, Springen, und andere volkstümliche Übungen, Spiele, Wanderungen, Schwimmübungen, Eislaufen vorgenommen werden. Chausseen, Wiesen und Wald stehen überall zur freien Verfügung; sie erfordern keine Miete, Reinigung, Heizung, Beleuchtung und Bedienung, die unser Turnhallenbudget so hoch belasten, und haben noch den Vorteil, dass sie Licht und Luft in Riesenmengen einen jedem schenken, der diese beiden für die Entwickelung des menschlichen Organismus überaus wichtigen Faktoren geniessen will. Ist einmal ein geeigneter geschlossener Turnraum gefunden, so wird es nicht schwer halten, bis zur Beschaffung von Turngeräten oder auch ohne solche an provisorischen Geräten — wie sie die Erfindungsgabe dem Einzelnen gerade eingibt — zu üben. Zettler, der sich in seiner Methodik des Turnunterrichts mit dieser Frage beschäftigt» rät, zwei Stuhllehnen in entsprechender Weise gegenüber zu stellen und als Barren zu benutzen, eine feste Holzbank als Pferd, eine von zweien getragene Stange als Reck oder zwei dergleichen als Barren zu verwenden Stütz- und Hängeübungen lassen sich an den Mitturnern vornehmen z. B. Liegestützübung auf den Schenkeln zweier im Ausfall nebeneinander stehenden Turner, auf ihren Schultern Stütz- und Schwungübungen, auf ihren sich gegenseitig sich festhaltenden Armen Hangübungen. Ausdauer, Energie und Arbeitsfreudigkeit werden selbst unter ungünstigen Verhältnissen gute Erfolge zeitigen. Die Schwierigkeit der Verhältnisse wird zu regerer Tätigkeit, zu innigerem Zusammenschlüsse strafferer Disziplin führen. Aus welch kleinen, bescheidenen Anfängen hat sich die deutsche Turnkunst entwickelt, wie stolz und festgefügt steht ihr Bau heute da. Ihre Entwickelung soll uns ein Ansporn zur Nacheiferung sein. Nehmen wir das Gute, wo wir es finden!