Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 1 (1.1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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12 No. 1 recht viel zu wünschen übrig, aber auch hierin dürfte wohl bald Remedur geschaffen werden. Wie schon anfangs erwähnt, hat der Verein zurzeit keinen Lehrer, da der diese Stellung einnehmende junge Mann in seine Heimat hatte abreisen müssen, und hat mich Herr Dr. Kohan damit betraut, einen jungen Mann evtl. Studenten ausfindig zu machen, der bereit ist, auf ein halbes Jahr den Unterricht zu leiten. Es wäre dieses eine gute Gelegenheit, Palästina kennen zu lernen, da Herr Dr. Kohan für Wohnung und Pension des Lehrers Sorge trögt, dieser Herr also nur die Reise zu bezahlen hätte. Gleichzeitig beabsichtigt Herr Dr. Kohan ein auch mir bekanntes sehr zuverlässiges Mitglied nach Deutschland zur Ausbildung als Vorturner zu senden. Dieses Mitglied, ein junger Mann von etwa 21 Jahren, ist von Beruf Anstreicher und gedenkt hier als solcher oder aber auch durch jede Bndere Arbeit sein Brot für die notwendige Zeil zu verdienen, um alsdann abends in einem jüdischen Turnverein sich nebenbei die nötigen Kenntnisse anzueignen. Im Interesse dieser beiden geplanten Unternehmungen des Jaffaer Turnvereins, die von ungeheurer Bedeutung für die Zukunft dieses Vereines nicht nur, sondern für ganz Palästina sind, bitte ich alle, die in der Lage sind, mich in dieser Angelegenheit zu beraten, um Adressenangabe, und bin ich zu weiterer Auskunft gern bereit. Mit Zionsgruss! Siegfried Levy Hohenbostel a. Deister. Die Zuschrift beweist, wie sehr der von uns geäusserte Optimismus auf dem rechten Wege war. Nach diesem Angebot von Jaffa aus wird wohl kaum der erbetene Turnleiter aus Europa lange auf sich warten lassen. Eine glänzendere Chance, das Land unserer Väter aufs genaueste kennen zu lernen, wenn das Glück gut ist, sich vielleicht eine Existenz dort zu gründen (ein halbes Jahr ist für solche Bemühungen eine fruchtbare Zeit), und zugleich eine segensreiche nationale Arbeit verrichten zu können — eine glänzendere Chance ist nicht gut denkbar. Hier ist kein Opfer zu bringen, sondern eine Gelegenheit beim Schöpfe zu fassen. Also auf, wer seine Sache gut versteht, wer ein gutjüdisches Herz und Liebe für das Land unserer Sehnsucht, und am Ende wer — Mut hat! Wien. Erster Wiener Jüdischer Turnverein. Die am 22. vorigen Monats veranstaltete Makkab&erfeler nahm einen durchaus würdigen Verlauf. Der Obmann-Stellvertreter des Vereins, Herr Dr. Krassny, leitete die Feier mit einer Festrede ein, welche die Geschichte der Makkabäer und deren Zusammenhang mit dem modernen Judentum behandelte und mit grossem Beifall aufgenommen wurde. Dann folgte ein reiches Programm aus vortrefflich vorgetragenen musikalischen Piecen, die von eindrucksvollen Rezitationen Rosenfeld'scher Gedichte unterbrochen wurden. Das Publikum spendete begeisterten Beifall. Der Abend, den ein Ball beschloss, bedeutet wieder einen schönen Erfolg des Vereins.