Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 12 (12.1906)
- Date
- 1906-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 203 Dauer garantiert wäre, da der Judenhass zu den ewigen Requisiten der Weltgeschichte gehört. Aber in Wirklichkeit verhält es sich nach meiner Auffassung so, dass das Wiedererwachen des Selbstbewusstseins und des Lebenswillens im Judentum ein logischer, innerlich notwendiger Vorgang, das Resultat unserer jüngsten geschichtlichen Entwickelung ist. Zwei Faktoren sind es, welche die jüdische Idee zu neuem Leben erweckt haben. Der erste ist meiner Ansicht nach — und das ist eine hübsche Ironie der Geschichte — in der wissenschaftlichen Arbeit zu sehen, welche gerade die liberalen Kreise im Judentum, also die, welche sich heut so energisch unserer Bewegung entgegenstellen, für die Erforschung unserer Vergangenheit geleistet haben. Leopold Zunz und Abraham Geiger und wie sie alle heissen, die dieser Aufgabe sich so erfolgreich gewidmet haben, sie sind die Väter uuserer Bewegung. Sie sind hinabgestiegen in die Schächte unserer Vergangenheit und haben aus ihnen zu Tage gefördert das leuchtende Gold der Erkenntnis des Wertes unseres Volkes. Sie haben uns das Verständnis erschlossen für die Summe sittlicher Kraft, die im jahrhundertelangen Martyrium unseres Volkes sich offenbart, sie haben uns gezeigt, dass Israels geistige und religiös-sittliche Kraft s'ch nicht erschöpft hat in seiner klassischen Zeit, nein, dass es auch nach der Zertrümmerung seiner staatlichen Existenz in gtocklichen Zeiten glänzende geistige Leistungen vollbracht, in trüben und trübsten Zeiten selbst ein von hehrer Sittlichkeit und echter Religiosität erfülltes eigenartiges Leben sich zu bewahren gevvusst hat. Die liberale Geschichtsforschung hat uns das schöne Recht, uns selbst zu achten, wiedergegeben, sie hat uns gelehrt, auf unser Volk und unsere Geschichte stolz zu sein; mit dem Augenblick, wo ihre Resultate populär wurden, musste das jüdische Selbstbewusstsein aufs Neue kräftig sich regen. Der zweite Faktor, dem unsere Bewegung ihr Entstehen verdankt, ist ebenso wie jener erste ein notwendiges Ergebnis unserer Ängsten Geschichte. Er besteht in der Erkenntnis der Gefahren, w^lche eben diese Geschichte für den Bestand des Judentums im Gef°lge gehabt hat. Nachdem der erste Freudenrausch über die Emanzipation geschwunden war, musste man notwendig erkennen, dass neben lhren selbstverständlichen Segnungen, die wir hier nicht aufzuknien brauchen, sie auch ernste Schäden und bedrohliche Ge-