Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 11 (11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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194 No. II Auch im heiligen Lande ist nun der Anfang zur Regeneration des jüdischen Körpers gemacht. Herr Dr. Cohn in Jaffa, der Gelegenheit hatte, die Schwächlichkeit und Gebrechlichkeit der Jugend dieser Stadt festzustellen, bemühte sich, einen Turnverein unter dem Namen „Bar Kochba" zustande zu bringen. Der Anfang der Sache war überaus dürftig, weil es einerseits an Geld, andererseits an geeigneten, richtig ausgebildeten Lehrkräften mangelte. Und das Schlimmste ist, dass der dortigen Jugend das Verständnis für die Turnerei völlig abgeht, weil sie ihren Wert nicht würdigt. Der Schriftsteller Dr. J. Freier erzählt aus Bulgarien, dass, als in Philippopel der Turnverein eröffnet wurde, eine grosse Menge junger Leute ihm zuströmten, bis kein Platz für sie alle zu schaffen war und die Gründer sich genötigt sahen, die Tore vor vielen zu schliessen. Aber man sammelte sich vor der Tür, man schrie: Öffnen, öffnen! zerbrach die Pforten und drang mit Gewalt auf den Turnplatz. — Und in Jaffa ist der Platz weit geöffnet, aber er bleibt fast leer!') — Die Sprache auf dem Turnplatz ist hebräisch." Wir haben alle Ursache, uns dieser Unternehmung in Palästina, so geringfügig ihr Anfang auch aussieht, von Herzen zu freuen. Zwar können wir aus eigener Anschauung eine Hinfälligkeit der Jaffaer jüdischen Jugend als durchgehende Erscheinung durchaus nicht bestätigen; im Gegenteil ist uns manches auffallende Exempel von Körperschönheit, -Kraft und -Gewandtheit der dortigen neuen Generation bekannt geworden, die ganz besonders in den Landkolonieen sich zu einem prächtigen physischen Typus zu entfalten verspricht. Immerhin besitzt die Einführung der Turnerei in einem Klima, das bei mangelnder Körperbewegung leicht zur Erschlaffung führen kann, das aber bei genügender Muskelarbeit vermöge seiner herrlichen Sonnen- und Luftverhältnisse die physischen Rassemerkmale der Bewohner ausserordentlich zu verschönern und zu steigern sich eignet, für die dortige Judenheit eine ganz immense Bedeutung. Und wenn es der Traum eines jeden Nationaljuden ist, von Palästina aus eine Neubelebunfe des gesamten jüdischen Volkstums sich anbahnen zu sehen, so wird er gerade dort eine körperliche Veredelung unseres Stammes besonders sehnlich wünschen müssen. Wir sollten auch meinen, dass nirgends so leicht und vollkommen wie da sich das schöne Ziel erreichen Hesse. Da beginnt der Jude wie nirgends, im Boden einzuwurzeln. Da bildet der Jude wie nirgends mit der Natur eine natürliche Einheit. Da wachsen ihm wie nirgends Erinnerungen und Hoffnungen von Kraft und Grösse aus der historischen Scholle. Bewegungsfreiheit, Heimgefühl, gleichstrebende Gesinnung, alle diese idealen Vorbedingungen für Stelgerung des äusseren und Inneren Menschen, sind ihm dort wie nirgends gegeben. So gilt es nur, diesen schönen Möglichkeiten von aussen den Anstoss, die Methode und die erprobte Leitung zuzuführen. *) Wie ein eben in Europa befindliches Mitglied des J»ff«er Turnverein» unt persönlich mitteilt, liegen die Verhältnisse durchaus nicht so trübselig. sind vielmehr regelmässig etwa »5 Turner auf dem Platze. (O. Red.)