Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 10 (10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 167 wie die Kraft und Grösse des Gabriel Riesser'sehen Kampfes um die jüdische Ehre im deutschen Parlament von den berühmten „sechs Abgeordneten", jenen Jungmann'schen Gestalten, von heute, die im Landtage unermüdlich bemüht sind, ja nicht zu mucksen. Freilich hat der gute Eller Windmühlenflügel aufhalten wollen. Er lebte in dem naiven Glauben, dass es genüge, wenn der Jude in der deutschen Welt nur Mut beweise, um Achtung gegen sich einzuflössen und Heimatsrecht für sich zu erobern. Er wusste noch nicht, dass der Jude, wenn er bescheiden schweigt, ein Feigling ist, und wenn er mutig heraustritt, mit gleicher Bestimmtheit ein Frechling genannt wird. Und so war es töricht und wirklich vermessen von ihm, die Hoffnung zu nähren, dass die ungeheure Majorität der christlichen Deutschen auf sein jüdisches Gefühl, weil er Turnbruder war, Rücksicht nehmen würde. Mochten auch für den Augenblick die Leidenschaftlichkeit seines Manneswortes und der theoretische Liberalismus der damaligen Turner siegen — bald gingen die Mühlenflügel über ihn hinweg. Denn er war ein „Fremder", ein „fremd gebliebener Fremd- ^nS"i »ein Jude oder ein Ausländer" — der den armen „Christen und Deutschen" ihr heiligstes Recht zu verkümmern gedachte. — Hihi, der Teufel lacht dazu — oder vielmehr Alfred Mäding aus Leipzig bemerkt: „ganz richtig" dazu, und „fast passen die Worte noch auf die heutige Zeit." Hört ihr's, deutsche Turner mosaischen Glaubens? Habt ihr's recht verstanden, ihr Königsberger und Hanoveraner? Ihr Gemeinderäte und -Rabbiner? Ihr Helden der Vogelstrauss- und Vogelstein-Politik? Und Sie selber, verehrter Herr Rabbiner von Stettin, die Sie es so schmerzlich beklagen, dass die Zionisten »jüdische Turnvereine gründen, auch da, wo bisher in den allgemeinen Turnvereinen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Mitgliedern die schönste Harmonie herrschte und Juden sogar (■) leitende Stellungen inne hatten?" Wusstfn Sie bisher, dass Sie ein* „Jude oder Ausländer" sind, ein fremd gebliebener Fremdling? Wie meinen Sie nun, heraus damit! Kreuz oder Mögen- Dowid? Was wollen Sie lieber, Herr Rabbiner: dass die Böcklein Ihrer jüdischen Herde unter dem Zeichen des Kreuzes in derjenigen Turnerschaft stehen sollen, die „nur in christlichem Sinne betrachtet werden kann" — oder unter dem gefährlichen sechseckigen Sternenschild der jüdischen, nationaljüdischen Turnerschaft,