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Jüdische Turnzeitung · 1906-10-01 · 10 (10.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
10 (10.1906)
Date
1906-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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No. 10 Zeit gut und löblich war, passt auf eine andere Zeit nicht mehr, es ist veraltet; wir sollen weiter gehen und nicht an veraltetem Plunder festkleben - wegwerfen, fallen lassen, was heut nicht mehr passend ist, ich sage, unbedingt muss ein solches Zeichen verworfen werden!" Darauf entgegnete Adolf Spiess: „Eine Turnerschaft, so wie wir solche begreifen, kann nur im christlichen Sinne betrachtet werden, rein christlich ist echt fromm, und jeder kann fromm sein und dem Spruch folgen, auch wenn er kein Christ ist. Und wenn von einem Stifter einer solch edlen Sache ein solcher Kernspruch besteht, so muss dieser heilig und ehrwürdig sein für alle Zeit." Auch trotz dieser kräftigen Worle eines Spiess wurde der Vorschlag Felsings verworfen! Warum? weil ein Jude das Kreuz nicht haben wollte. Das ist bezeichnend! Der Bericht über diese Angelegenheit sagt ganz richtig, und fast passen die Worte noch auf die heutige Zeit: „Wir Christen und Deutschen sind nun einmal so-, spricht ein Jude oder ein Ausländer gegen unser heiligstes Recht, so müssen wir Christen und Deutschen aus reiner Höflichkeit und christlicher Nächstenliebe von unserm Recht abstehen, ja jenen noch danken, dass sie uns Gelegenheit gegeben, unsere Schafswolle zu zeigen. Die deutsche Geschichte ist reich an Belegen dafür, und die Gegenwart ist reich daran." Wie ich schon sagte, hat vor allem dBs Wort „fromm" in unserm Spruche viel Anfeindungen gehabt. Da ist ein Herr von S. in Berlin gewesen, der im September 1846 stark gegen solch einen Feind und Nörgler am Worte losschrieb. Er sagt: „Das unschuldige Wörtlein .fromm' hat neuerdings jemand in Verruf setzen wollen, es für unpassend erklärt, für nicht zeitgemäss, für veralteten Plunder und darum für verwerflich 1 So fallen fremd gebliebene Fremdlinge mit der Tür ins Haus und achten das Gastrecht nicht, dünken sich Herren und Meister." - - Wir haben etliche Worte fett gesetzt, damit sie leichter allen jenen Blinden in die Augen fallen, die noch immer die Stellung des Juden in der Turnerschaft eitel rosig erblicken und uns als Schwarzseher verschreien möchten. Wenn sie nun noch nicht ein homerisches Gelächter über ihren Irrtum anstimmen, so werden sie wohl den Sinn jenes einen F des Turnerkreuzes, das „frei" bedeutet, niemals mehr erfassen. Der Kampf des wackeren Eller gegen das Zeichen des Zelems*) ist eine Tat von Mut und Männerwürde, die uns unter den jüdischen Turnern der deutschen Turnerschaft von heute wohl schwerlich wieder begegnen wird. Sie ist so himmelweit vom heutigen Unterducken und Sich nicht zu erkennen geben entfernt, •) Kreuz. i

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