Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 7 (7.1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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120 No. 7 stärkere Verseuchung des Volkskörpers. Die Juden bleiben Grossstädter und Kopfarbeiter auf der einen Seite, auf der andern Seite leben sie in ihrer grössten Masse in enge Ghetti gepfercht, in elendster materieller Lage, von den gemeinen Sorgen für den kommenden Tag zerrüttet, noch mehr durch jene unsägliche Not im Osten Erschütterungen ausgesetzt, die ein kräftigeres Nervensystem nicht ohne Schaden ertragen könnte. Und nun sollen wir uns dabei beruhigen, dass die Deutschen in Russland, die dort auch Grossstadtbewohner und Kopfarbeiter sind, auch einen grösseren Anteil an Degenerierten stellen. Aber hinter ihnen steht das mächtige Deutsche Reich mit seinen Millionen Bauern und Arbeitern, immer imstande, Ersatz für verbrauchte Kräfte zu schaffen und neue zu produzieren! Aber wir? Wo sind unsere Reserven mit unverbrauchter Nervenkraft? Wir haben keine! Wir sind nicht degeneriert, aber wir degenerieren. Das ist nun nicht etwa in dem Sinne zu verstehen, dass wir im Laufe der Jahrhunderte einen Stamm von Degenerierten darstellen werden und so auf den Aussterbeetat gesetzt sind. Ein degenerierendes Volk muss in seinen gesünderen Elementen von den anderen Völkern, mit denen es lebt, aufgesogen werden; der Selbsterhaltungstrieb nimmt naturnotwendig diese Form des Sich-aufsaugen-lassens an. Oder aber es geschieht etwas Durchgreifendes, um diesen Degenerierungsprozess aufzuhalten. Nun, alle Massnahmen, die unter den obwaltenden Verhältnissen in den Ländern der Diaspora unternommen werden, als da sind: Turnbewegung, andere Verteilung der Berufe, Flucht aufs Land etc. sind zu loben und als Vorbereitungsarbeiten von unschätzbarem Werte, dieses Durchgreifende sind sie nicht! So lange wir nicht für eine kernfeste compakte Masse von Bauern sorgen, die in generationenlanger wohltuender Berührung mit Mutter Erde, ihre Körper stählend und ihren Geist erfrischend, Ersatz für die immerwährend verbrauchten Kräfte schaffen könnten, ist die Gefahr einer immerfortschreitenden Degenerierung nicht gehoben. Und. so müssen wir als einziges Mittel den Degenerierungsprozess aufzuhalten, zugleich auch als einziges Mittel zur Erhaltung des Judentums üherhaupt, die Erwerbung eines Landes betrachten, in dem ein bodenständiges Bauerntum in entsprechender Zahl sich entwickeln kann, ein Land auch, in dem diese jahrhundertelang fortwirkenden und sich wiederholenden Erschütterungen der jüdischen Volksseele aufhören. Und diese beiden Grundlagen der Gesundung und Erhaltung unseres Volkes sind nur in einem eigenen Lande möglich. Dr. A. Nacht. Feuilleton. Aus den OesprAchen unserer Turngeräte. „Dm neue Pferd". „Geräte versorgen" und „Schluss" ruft der Turnwart. Einige Zeit noch Scherzen und Plaudern an der Garderobe, dann verlässt ein Turner nach dem andern die Halle, bis sich die Türe hinter dem letzten schllesst. Jetzt, sollte man meinen, herrsche Totenstille am Platze. — Fehlgeschossen! — Wer ein sehr feines Ohr hat und von der Natur begünstigt ist, der kann