Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 7 (7.1906)
- Date
- 1906-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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118 No. 7 sind und noch sind, dass noch in einem andern Sinne Inzucht getrieben wurde, indem in der Masse des Volkes die Ehen innerhalb eines immerhin nur engen durch das Land begrenzten Kreises sich vollzogen, dass dadurch die Gefahr der Vererbung einmal aufgetretener physischer oder geistiger Anomalien tatsächlich wurde, so werden wir mit grosser Sorge die allgemein schwächere Konstitution der Juden und ihre grössere Neigung zu nervösen Leiden und Geisteskrankheiten betrachten. Mag auch die Meinung Erbs, dass die Juden eine neuropathisch veranlagte Rasse sind, übertrieben sein, so ganz Schwarzmalerei ist es doch nicht *), wenn Reibmayr in jedem Juden einen geborenen Neurastheniker sieht. Wenn Ruppin meint, das häufige Auftreten der Geisteskrankheiten sei nicht beunruhigend bei Erwägung der Ursachen für die Erwerbung der Geisteskrankheiten und unter Hinzunahme der herrschenden wissenschaftlichen Meinung, dass erworbene Eigenschaften nicht vererbt werden, so muss man doch wohl bedenken, dass es sich hier nicht um einzelne Eigenschaften handelt, die vererbt werden könnten, sondern um eine allgemein geschwächte Konstitution, um ein im ganzen geschwächtes Nervensystem. Das feiner organisierte Nervensystem reagiert wirklich viel stärker auf geringere Läsionen; eine grobe Dezimalwaage kann manchen Puff vertragen, eine feine chemische Waage werden wir hübsch im Glashause vor jedem Stöubchen, vor jeder Er" schtttterung bewahren. Aber das jüdische Nervensystem ist stärkeren Läsionen ausgesetzt, und diese fordern darum noch unendlich viel mehr Opfer. Ist denn die Läsion, die ein ein- oder mehrmaliger Alkoholrausch oder selbst chronischer Alkoholismus dem Nervensystem oder der gesamten Konstitution verursacht nicht eine erworbene? Und doch ist wissenschaftlich bewiesen, dass Trinkerkinder, oder Kinder im Alkoholrausch gezeugt, schwächlich sind und den Keim wirklicher Degeneration in sich tragen. Gerade die Schädigungen, die nicht ein einzelnes Organ treffen, sondern den ganzen Organismus, und besonders das Nervensystem, sind anerkanntermassen die verderblichsten. Und deshalb ist dieses feiner organisierte Nervensystem unser Stolz aber auch unser Fluch I Soll uns die grössere Anzahl der Idioten, taubstumm und blind Geborenen, <"e grössere Zahl der vererbten Geisteskrankheiten nicht zu denken geben! Und nun noch gar dieses grössliche Krankheitsbild der familiären amaurotischen Idiotie, wofür die Juden den traurigen Vorzug haben, fast alle bis jetzt bekannten »Fälle" geliefert zu haben! Und gerade hier konnten grossenteils in der Ascendenz keine Blutsverwandschaft der Erzeuger nachgewiesen werden. Von den Eltern war eben ohne das unterstützende Moment der Blutsverwandtschaft eine bei ihnen selbst nicht zum Ausdruck gekommene tiefe Läsion des Zentralnervensystems ihren Kindern mitgegeben. So halte ich die Gefahr einer Immer stärkeren Verbreitung Geisteskrankheiten und der anderen erwähnten Affectionen des Nervensystems und der damit zusammenhängenden degenerativen Erkrankung« nicht nur infolge einer feineren Reaktion eines sensibleren Nervensystem , sondern auch durch Vererbung der sogenannten erworbenen Nervenu Konstitutionskrankheiten durchaus für gegeben. *) Ruppin«: Die Jaden der Gegenwart. S. 117.