Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1906-07-01 · 7 (7.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
7 (7.1906)
Date
1906-07-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4921092-5965100-5965245--1631-4924481
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

116 No. 7 Anhangweise sei hier noch hervorgehoben, dass die Zuckerkrankheit, wahrscheinlich auch ein auf neuropathischer Grundlage entstehendes Leiden, unter den Juden unverhältnismässig viel Opfer fordert. In Preussen kamen im Jahre 1890 auf 656 Uberhaupt an Zuckerkrankheit gestorbenen Personen 51 Juden, d. i. 6'/2 mal so viel als ihrem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung entsprach, dasselbe konnte nach einer Frankfurter Statistik von den Jahren 1872-1890 festgestellt werden. Nach einer New-Yorker Statistik waren 25 pCt. aller Zuckerkranken Juden, also 3 mal mehr als dem Prozentteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Erwähnt sei noch die ausserordentlich häufige Erkrankung an Glaukom (grüner Star) unter den Juden. Der Grund ist bei der noch unaufgeklärten Aetiologie des Glaukoms dunkel. Beruht das Glaukom, wie viele annehmen, auf einer Neurose des Sympathicus, so wird auch die Häufigkeit dieser schweren Schädigung des Auges unter den Juden ihrer neuropathischen Veranlagung zuzuschreiben sein. Arlt fand unter 110 Glaukomatösen 11 Juden, bei weitem mehr als ihrem Prozentanteil entsprach, ähnlich Rydel (Wien) 23 pCt., während nur 11,5 pCt. zu erwarten war; Wagner unter 410 Glaukomatösen 255 Juden 62 pCt. (!?> zu erwarten waren 2,57 pCt.! Welche Schlussfolgerungen sind wir berechtigt aus den hier zusammengestellten Tatsachen zu ziehen? I. Die Mortalität der Juden ist im allgemeinen eine geringere als die der Christen. Gründe dafür sind: a) Die geringere Kindersterblichkeit; diese wiederum beruht zunächst auf der besseren, sorgsameren und liebevolleren Pflege, welche gerade den schwächeren Kindern und gerade unter der ärmsten Bevölkerung zu teil wird; ein Beweis dafür ex contrario Ist die sogar höhere Sterblichkeit unter den unehelichen jüdischen Kindern, wo dieses Moment fortfällt. Zum anderen Teil ist sie eine Folge der geringen Beteiligung der Juden an 2 chronischen, die Volksgesundheit untergrabenden Krankheiten: der Syphilis und dem chronischen Alkoholismus; daher auch die anerkannte geringere Fehlgeburtenziffer unter den Juden. b) Die geringere Geburtenziffer, im besonderen auch geringere Zahl der unehelichen Geburten; bei den Christen muss die Sterberate eine grössere sein, weil sie mehr Kinder haben und die Sterblichkeit im Säuglingsalter und der unehelichen Kinder ungeheuer gross ist. c) Die relative Immunität gegen Tuberkulose I Diese ist wohl hauptsächlich bedingt, durch die wohl bereits Jahrtausende geübte Ausschaltung des Fleisches tuberkulöser Tiere für die Nahrung. Hierin waren die Juden von Jahrtausenden her im Vorteil vor den anderen bis in die neueste Zeit und konnten sich in so langer Zeit eine gewisse Immunität erwerben und vererben. d) Der verschwindend kleine Prozentsatz der Alkohollsten un<j Syphylltlker unter der Masse der jüdischen Eltern (Osten). DV> Sterblichkeit der Trinkerkinder ist ungefähr 4 mal so gross «is normal.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.