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Jüdische Turnzeitung · 1906-06-01 · 6 (6.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
6 (6.1906)
Date
1906-06-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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104 No. 6 jüdischer Damenturnverein vor kurzem von einem früheren Mitgliede unseres Vereines ins Leben gerufen worden war. Und — Stettiner oder Posener Turner mögen ja schön sein, Pressburger Turnerinnen aber sind jedenfalls schöner und darum noch anziehender als die strammsten Turner der genannten Vereine. Dementsprechend war auch die Beteiligung unserer Mitglieder eine auffallend grosse und sowohl Herren als Damen fanden sich pünktlich 7 Uhr morgens beim Dampfschiffe ein, das dann mit uns unterwegs Schaukelbewegungen ausführte, die unsere Turnerinnen wohl nur zufolge ihrer vorgeschrittenen turnerischen Ausbildung ohne weitere Reaktion ertrugen. Am Strande Pressburgs empfingen uns einige Damen des Pressburger Vereins, geleiteten uns in die Turnhalle der israelitischen Gemeinde, um uns dort durch Frau Salzer, die llobenswürdige Veranstalterin des Empfanges, offiziell zu begrüssen. Auch andere Pressburger jüdische Vereine waren dort erschienen, und ihre Vertreter richteten an uns freundliche Worte der Begrüssung. Insbesondere sei die kernige Ansprache des Obmannes des „Zion", Herrn Bettelheim, erwähnt, auf welche sodann unser Vereins-Obmann, Herr Dr. Ludwig Werner, kurz erwiderte. Er überraschte uns dabei durch die Mitteilung, dass auch ein jüdischer Mannerturnverein in Pressburg in jüngster Zeit gegründet worden sei, der ihm seinen Beitritt zum Verbände der jüdischen Turnerschaft bereits angekündigt habe. Brausende Hedatrufe grüssten die Vertreter des neuen Verbandsvereins, welche an dem nun folgenden Kürturnen am Reck, Barren und Pferd (lang und breit) in hervorragender Welse teilnahmen. Die unter Leitung unseres I. Turnwartes Pollak improvisierten turnerischen Darbietungen fanden den lauten Beifall aller Anwesenden, unter denen ausser den Vertretern der beiden Pressburger Turnvereine und der sonstigen jüdischen Vereine noch zahlreiche Herren und Damen der besten jüdischen Kreise Pressburgs zu bemerken waren. Nach dem Turnen gings zu Tische. Um 2 Uhr war Zusammenkunft im schönen Lokale des „Zion", und von dort erfolgte der Abmarsch ins Gebirge über die Strohhütte und Aussichts-Warte zum Elsenbrünnel. Viele Pressburger und Pressburgerinnen begleiteten uns dahin. Der Marsch ging flott und lustig vor sich und die Pressburger Damen hielten guten Schritt mit den sie begleitenden Wiener Herren, die ihre Bewunderung zwischen Pressburg und seinen Turnerinnen teilten. Auch unsere strammen Wiener Turnerinnen unterhielten sich prachtig, und es ist fast zu fürchten, dass Pressburg, wohin die Ehe schon 3 unserer Turnerinnen entführte, unserer Damenabteilung neuerlich gefärlich werden könnte. Nach Ankunft am Eisenbrünnel und eingenommenem Imbiss wurden Rasenspiele veranstaltet, und unsere Jungens legten Kraftproben an einem unschuldigen und in Gedanken stehen gebliebenen Gaskandelaber ab, den sie stemmten und stiessen — bis er in Stücke ging (was man ihm weniger übelnehmen konnte, als die hohe Ersatzforderung des Wirts). Der Rückweg zur Bahnstation „Rote Brücke" führte durch den dämmerigen Wald. Lieder — Seufzer — Stimmung. Es war wohl der schönste Teil des Ausfluges, vielleicht auch der gefährlichste. Nach freundschaftlichen Wechselreden zum Abschiede kehrten w'r per Bahn nach Wien zurück. Die Stimmung war Adel, und trotz des Platz-

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