Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 6 (6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4921092-5965100-5965244--1613-4924464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 6 103 furchtbarer Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig Hess, die verdiente Ruhe. Am andern Morgen erhoben wir uns zeitig und zogen gen Rheinsberg. Unterwegs gabelten wir noch einen Nachzügler auf, der am Sonntag früh auf dem Bahnhof die beliebten zwei Sekunden zu spat angekommen war und uns nun endlich gefunden hatte. In Rheinsberg besichtigten wir zuerst Stadt, Schloss und Park und machten dann Frühstücksrast, um uns zur bevorstehenden Wanderung durch den Menzer Forst zu starken. Auf dem Marsche hat man so recht Gelegenheit, eine der besten Wirkungen unserer Fahrten zu beobachten: die Turner — besonders die Neulinge und die aus ferneren Ländern stammenden — lernen sich bei munteren Gesprächen naher kennen, und schnell schlingt sich das Band der Freundschaft, um Ost- und West-Juden. — Es war schon '/23 Uhr, als wir in Neu-Globsow am grossen Stechlin ankamen, um. so gut es bei unsern zusammengeschmolzenen Vorraten ging, zu Mittag zu speisen. Aus dem geplanten Schläfchen wurde natürlich nichts, statt dessen nahmen wir einige Turnübungen am Reck und Barren vor, brachen alsdann nach Fürstenberg auf, uberschritten hinter Neu-Globsow die preussische Grenze und zogen ins Land der Obotriten ein. Wir kamen noch an einigen der schönsten mecklenburgischen Seen, an prachtvollen Fernsichten vorbei, dann erreichten wir Fürstenberg. Hier schlug die Scheidestunde für den grössten Teil unserer Gesellschaft. Nachdem wir den heimwärts fahrenden Turngenossen das Geleit zum Bahnhof gegeben hatten, besuchten wir noch das Sommertheater, eine .erstklassige" Freiluftbühne, und folgten gespannt den Darbietungen, die zumeist ins Fach schlugen (Parterre- Gymnastik), sowie den vorgetragenen geistreichen Liedern, von denen besonders das unvergleichliche „Plimm, plamm, plumm, die Geschichte 'st so dumm", den wohlverdienten Beifall fand. — Nicht allzu früh erhoben wir uns am andern Morgen aus den Federn, denn wir hatten» nachdem wir an den beiden ersten Tagen im ganzen 80 km hinter uns feebracht, nur noch etwa 20—25 km zurückzulegen. Nach Besichtigung des Schlossparks ging es gemachlich durch Wald und Feld. Unterwegs statteten wir auch einer industriellen Anlage unsern Besuch ab, die ein Stammesgenosse aus Südrussland betrieb. Bald waren wir in Neu-Strelitz, der Hauptstadt des Grossherzogtums. Wir nahmen die Stadt und den schönen Schlosspark in Augenschein. Dann glngs zum Bahnhof und nach dreistündiger Fahrt im Salonwagen waren wir wieder zuhause. E. Herrmann. Graz. In der ausserordentlichen Plauerversammlung vom 16. Juni legte der bisherige Obmann des Vereins, med. S. Leicht, krankheitshalber sein Amt zum grossen Bedauern der Versammlung nieder. Herr Leicht bat sich in unserem Verein ausserordentliche Verdienste erworben, seine organisatorische Tüchtigkeit wird allseitig anerkannt. Möge es zu Nutze und Frommen unserer Sache bald wieder hergestellt sein. — Zum Vere'nsobmann wurde Herr Oscar Freudmann, Grusplatz 4, gewählt. Tarnfahrt nach Preaabnrg. Die Turnfahrten de.s Berliner „Bar Kochba" zu benachbarten Vereinen "essen den I. Wiener Jüdischen Turnverein nicht ruhen, bis auch er eine solche Turnfahrt unternahm. Als Ziel wurde Pressburg gewählt, wo ein