Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 6 (6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4921092-5965100-5965244--1609-4924460- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 6 leten, die bekanntlich bei den Laufkonkurrenzen den Löwenanteil der Preise für sich in Beschlag nahmen, dass in der mühelosen Beherrschung des „Strichlaufens" das Geheimnis ihrer Überlegenheit liege. Und in der Tat wird man zugeben müssen, dass bei dieser Art des Laufens die fortwährende Verschiebung des Schwerpunktes, die doch sicher der Schnelligkeit nicht förderlich sein kann, fortfällt und dafür eine Verstärkung des Beharrens Platz greift. Um sich für einen Wettlauf von 100—200 Metern planmässig vorzubereiten, wird man am besten zuerst 8—14 Tage lang einen nicht zu schnellen Laufschritt, 160—170 Schritt in der Minute, von 5—10 Minuten Dauer üben, der neben manchem anderen Nutzen vor allem das Herz von etwaigem Fett befreien wird. Ist diese Vorübung beendet, so lege man sein Hauptaugenmerk auf die sichere Erlernung des Ablaufs (start). „Bei kurzen Strecken", schreibt Prof Dr. F. A. Schmidt, h kommt vor allem die Fähigkeit in Betracht, den Körper so schussbereit zu machen, Nerven und Muskeln derart mit Energie geladen zu haben, dass auf das gegebene Zeichen der Läuter augenblicklich, ohne den Zeitverlust auch nur des kleinsten Bruchteils einer Sekunde, schon mitten in voller Bewegung sich befindet." Welch' grosse Bedeutung dieses augenblickliche Losschiessen, dieser schnellste Start bei so kurzen Strecken wie 100^-200 m bat, ergibt schon ein einfaches Rechenexempel. Die deutsche Wettturnordnung" bewertet bekanntlich die Zurücklegung von 200 m in 85 Sekunden mit 0 Punkten; jede Sekunde, die weniger als 85 gebraucht wird, zählt 1 Punkt, d. h. 25 Sekunden 10 Punkte. Um also die höchste Punktzahl 10 zu erreichen, hat man in jeder Sekunde 8 m zurückzulegen. Die Ausführung des Startes kann eine sehr verschiedene sein, .und es ist sehr schwer, ein für alle passendes Schema aufzustellen, da individuelle Veranlagung und Temperament hier mit in die Wagschale fallen. Curt Doerry, einer der besten Läufer über kurze Strecken, die Deutschland bisher besessen, empfiehlt —? Flatow & Jahns, Handbuch für Wetturnen — allen Sprintern den „niedrigen Start" zur Übung und Anwendung. — Dieser Start, der zuerst von den Amerikanern mit grossem Erfolg angewandt und mit der Bezeichnung „crouching" oder „ hand-spring" Start belegt wurde, sieht folgendermassen aus: »Der Läufer lässt sich, mit dem linken Fuss ca. 20—80 cm hinter der Ablaufslinie, mit dem anderen weitere 25 cm zurückstehend, halb in die Knie nieder, beugt den Oberkörper weit nach vom und stützt sich mit den Fingerspitzen auf die Ablaufslinie. £j gleicht in dieser Stellung dem zum Sprunge niedergekauerten uger. Wie dieser plötzlich empor und auf sein Opfer springt, so schnellt sich der Läufer beim Fallen der Fahne oder Ertönen des j*ufes in die Hphe, gleichsam mit der Elastizität einer Feder; der OberrPer wird mit gewaltigem Ruck hochgerissen; zugleich fliegt das