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Jüdische Turnzeitung · 1906-06-01 · 6 (6.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
6 (6.1906)
Date
1906-06-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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98 No. 6 Schnell- und Wettlauf. Von Alfred Flatow-Berlin. Laufübungen sind Oberall ausführbar und werden dadurch zur einfachsten Grundlage für die Ausbildung der lebenswichtigsten Organe. Die Laufarten, welche das deutsche Turnen in der Hauptsache pflegt, führen über 100, 150 und 200 Meter und gehören also sämtlich zu den Fliegerrennen (sprints), d. h. denjenigen Rennen, bei welchen von Anfang bis Ende im Laufeh grösstmöglichste Schnelligkeit entfaltet werden muss. Mittlere und lange Distanzen, d. h. Rennen über 400—1000 m resp. über 1000—3000 m (und darüber hinaus) berücksichtigt das deutsche Turnen garnicht und überlässc deren Pflege den wenigen in Deutschland existierenden Athletik-Vereinen. Bei der hohen Bedeutung aber, die gerade der Lauf über mittlere und längere Strecken als unvergleichlichste Lungenübung (denn Fliegerrennen sind viel mehr Kraftals Lungenübungen) für sich in Anspruch nehmen darf, ist diese Vernachlässigung nur zu bedauern. Die vermeintlichen Gefahren, welche die Pflege des Laufs, im besonderen über längere Strecken, in sich bergen soll, bestehen nur in den Hirnen einiger Ängstlinge. Ein gesunder Mensch rait gesundem Herzen und normalen Lungen wird bei vernunftgemässem Betriebe sich durch den Lauf niemals Schaden zufügen können. Bei Uebermass und Unvernunft allerdings kann auch das Nützlichste zum Unheil ausschlagen und so auch die Pflege des Laufs. Über den Betrieb und die Ausführung, d. h. die Technik des Schnell- und Wettlaufs seien folgende kurze, das Thema durchaus nicht erschöpfende Angaben gemacht: Wer ein guter Läufer werden will, gewöhne sich vor allem stets auf den Zehenspitzen, niemals auf der ganzen Sohle zu laufen, da er sonst Muskelgruppen anspannen würde, die beim Laufen garnicht in Tätigkeit Veten. Der Rumpf muss beim Schnelllauf ein wenig vornüber gebeugt werden, jedoch so, dass dadurch das Atmen in keiner Weise behindert wird. Der Kopf soll stets aufrecht, eventuell sogar etwas zurückgebeugt getragen werden, weil dadurch die durch das Vornüberneigen des Oberkörpers eingeengte Brust frei wird und sonnt das Atmen erleichtert. Die Arme — in den Ellenbogen leicht gebeugt (die Hände sind zur Faust geballt) — haben die Aufgabe, durch ihren Schwung den Körper zu unterstützen und das Gleichgewicht zu erhalten. Zu diesem Zweck werden sie in umgekehrter Folge wie die Beine kräftig bewegt. Eine wesentliche Unterstützung zur Erzielung höchster Schnelligkeit beim Lauf soll nach neuester Praxis das „Strichlaufen " bilden, d. h. der rechte und linke Fuss laufen auf einer geraden Linie. Wenigstens behaupten die in diesem Frühjahr zu den Olympischen Spielen in Athen versammelten amerikanischen Ath-

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